Giant Sand - Blurry blue mounttain : Soundtrack zur blauen Stunde

Giant Sand veröffentlichen 25 Jahre nach ihrem Debüt ihr vierundzwanzigstes Studioalbum. Es ist eine neue, großartige LP.  

Martin Väterlein
Howe Gelb: Mastermind
Howe Gelb: MastermindFoto: Cargo

Es mag an der Enge und Strukturiertheit des eigenen Landes liegen, dass die Deutschen einen besonderen Hang zu Klängen aus der amerikanischen Wüste haben. Bilder von endlosen Highways, Kakteen am Straßenrand und der Spur eines einsamen Präriefuchses lösen hierzulande Sehnsucht aus. Diese Sehnsucht bedienen Giant Sand mit ihrem nun schon vierundzwanzigsten Studioalbum. Und gerade mit diesem.
Während Mastermind Howe Gelb in den vergangenen Jahren solo gern mit Gospelchören und spanischer Musik flirtete und auch seine Band immer weitere musikalische Bögen schlug, so markiert Blurry Blue Mountain so etwas wie eine Rückkehr zu den Wurzeln in Tuscon/Arizona. Country-Flair und klassisches Songwriting bestimmen den Charakter der Platte.
Da allerdings, wo bei den frühen Giant Sand krachige Lärmattacken die Stücke fast zerrissen haben, bleibt es anno 2010 meist ruhig und verträumt. Nur einmal, beim rockigen Thin Line Man, wird es kurzzeitig etwas lauter. Der Rest verschmilzt zu einer Einheit getragener Wohlfühlmusik. So wie bei den Kollegen von Sonic Youth spielt dabei der einzelne Song keine wesentliche Rolle mehr. Der Sound ist alles.


Das führt nie zu Langeweile. Spannung wird durch Howes wundervollen Laid-Back-Gesang, die schönen Texte und das ständige Pendeln zwischen Country-Ballade, Schlurf-Song, Folk und Jazz erzeugt.
Und auch wenn bei uns die Sonne wenig spektakulär über Berlin, Potsdam, Wattenscheid und nicht hinter endlosen Sandweiten untergeht, funktioniert Blurry Blue Mountain auch hier besonders gut in den Momenten zwischen Tag und Nacht. Eine Platte, ein Soundtrack für die Sehnsucht zur blauen Stunde.

 
Ebenfalls neu auf Vinyl:

Vom Audiolith-Label kommt in dieser Woche die neue Saalschutz LP. Das Elektro-Punk Duo aus Zürich kann man mittlerweile getrost zu den Gründerväter eines Genres zählen, das mit Bands wie Frittenbude oder Egotronic auf vielen Tanzflächen der Republik präsent ist. Auf Entweder Saalschutz wird der bekannte Mix aus harten Beats, Billig-Sounds und Sprechgesang geboten. Das ist alles sehr eingängig, aber leider auch längst zur Hör-Gewohnheit geworden. Wem dazu noch der Humor für die Texte abgeht, wird sich schnell verwundert abwenden. Die Elektropunks müssen aufpassen, dass sie nicht allzu frühzeitig altern.  
Sehr zu empfehlen ist die Wiederveröffentlichung einer LP aus dem Jahr 2002. Anlässlich des 20sten Geburtstags des City Slang Labels erscheint nun zum zweiten Mal Lambchops Is a Woman. Wer den Mut zur Stille hat, sollte sich spätestens jetzt diese großartige Platte zulegen.

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