Hier spricht der DJ : Paul van Dyk gibt sein Bestes

Ein Best-of-Album der letzten 15 Jahre und dazu eine große Party im Weekend: Anlass genug für Tagesspiegel.de, Paul van Dyk um ein Update zu bitten zu Themen, die ihm wichtig sind: Berlin, die SPD, die Kreativindustrie.

Markus Hesselmann
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Paul van Dyk.Foto: ddp

Gerade hat er "Volume. The Best of Paul van Dyk" mit seinen besten Tracks und Remixen der letzten 15 Jahre veröffentlicht. Um diese wichtige Wegmarke zu feiern, lud er am Wochenende zur Party. Am Rande traf Tagesspiegel.de den Star-DJ. Am Alexanderplatz, auf der Terrasse des Weekend-Clubs im 15. Stock sprach Paul van Dyk über die Themen, die ihn nicht loslassen.

Berlin und die Clubs

"Mittelmaß" war sein Urteil über Berlins Clubszene, als Paul van Dyk sich vor zwei Jahren mit dem Tagesspiegel vor einem großen Set in London unterhalten hatte. Hat sich aus seiner Sicht seitdem was verbessert? "Nicht unbedingt", sagt van Dyk. Die Tendenz, im eigenen Saft zu schmoren, sei immer noch da. "Berlin braucht mehr internationalen Austausch", sagt er. Es fehle an Offenheit. Die lokalen Hauptdarsteller ließen sich in den örtlichen Clubs rumreichen und klopften sich gegenseitig auf die Schulter.

Allerdings gebe es einige spannende Locations. Er selbst hat sich bei seiner Best-of-Party nicht ohne Grund für das "freundliche" Weekend entschieden. Das Berghain, unlängst zum besten Club der Welt gekürt, gefalle ihm zwar auch, aber dort halte er die rigide Einlasspolitik für falsch. Noch ein Fall von fehlender Offenheit.

Die SPD und die Wahlen

Paul van Dyk spricht gern über Geschichte, bereitwillig auch über Persönliches. Gerade hat er für Tagesspiegel.de beschrieben, wie er eine Woche vor dem Mauerfall mit seinen Eltern aus der DDR ausgereist ist. Wird er in diesem Jubiläumsjahr bei seinen Dienstreisen um die Welt häufiger auf seine Herkunft und auf den Mauerfall angesprochen? "Eigentlich gar nicht so oft", sagt der DJ. Viel häufiger ginge es bei seinen Gesprächen um Aktuelles: Die Wahlen, die Parteien in Deutschland, die Wirtschaft. Auch dazu hat sich Paul van Dyk öffentlich geäußert. Die Aufregung war groß, als im Sommer 2008 ein Artikel des bekennenden SPD-Wählers in einem Brandenburger Parteiblatt erschien. In dem Text warnte van Dyk vor einer Rücknahme der Schröderschen Reformen und griff  den damaligen Parteivorsitzenden Kurt Beck an.

Da müsste er doch jetzt zufrieden sein, da mit Frank-Walter Steinmeier ein Schröder-Klon antritt? Der DJ hält den Außenminister zwar für den richtigen Mann, glaubt aber, dass dessen Kandidatur zu früh kommt. "Man hätte sich auf 2013 konzentrieren und den Kandidaten in Ruhe aufbauen sollen", sagt Paul van Dyk. Außerdem sei die SPD - getrieben von Lafontaines und Gysis Linken - immer noch anfällig für Rückwärtskurs und Populismus. Das zeige sich an Debatten wie der um die "Reichensteuer", die sich ja inzwischen schon auf Leute ausdehne, die "sich einen besseren VW-Golf leisten können". Ganze Bevölkerungsgruppen würden so an den Pranger gestellt.

Die Kreativindustrie

Mit dem Oscar-Preisträger Pepe Danquart, dem Motor-FM-Gründer Tim Renner, dem Blogger Sascha Lobo und anderen gehört Paul van Dyk zu den Unterzeichnern eines von der SPD forcierten "Kreativ-Pakts", mit dem die Kultur- und Medienbranche stärkeres Gewicht in der deutschen Wirtschaftspolitik erhalten soll.

"Wir können uns nicht nur auf Produktion und Exporte verlassen", sagt Paul van Dyk. Wissen und Kreativität seien wichtige Rohstoffe und Deutschland könne seine Position hier auszubauen. Hat er schon viel Resonanz auf das im Juni vorgestellte Programm erhalten? "Ich bin ja gerade erst wieder zurück nach Deutschland gekommen", sagt Paul van Dyk, will sich dem Projekt aber jetzt verstärkt widmen.

P.S.: Der DJ und die Politik

Ein bisschen ungewöhnlich ist es ja schon, dass ein DJ so gern öffentlich über Politik spricht. Das liege unter anderem daran, "dass ich bei meinen Reisen um die Welt festgestellt habe, dass Demokratie einfach die beste Regierungsform ist.", sagt Paul van Dyk. "Und Demokratie lebt davon, dass man seine Meinung sagt und sich einmischt."

Warum wird er dann nicht gleich Politiker? "Seiteneinsteiger haben es in Deutschland schwer", sagt der DJ. Und wenn es die Seiteneinsteiger später einmal leichter hätten? "Ich glaube, dass ich auch so viel erreichen kann", sagt Paul van Dyk. "Als Lobbyist."

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