HIT Parade : Feuerzeughymne aus einem kleinen Funken

Die familienkompatible Kombination aus Rock ’n’ Roll-Attitüde und solider Arbeit macht den Erfolg von Razorlight aus. Diese Woche sind sie auf Platz 4 mit: "Wire To Wire".

Ralph Geisenhanslüke
Razorlight
Razorlight -Foto: promo

Auf dem Bild oben fehlen zwei Dinge, die die Wirkung der Ballade „Wire To Wire“ von Razorlight erklären: ein Klavier und ein Streichholz. Das Klavier trägt mit seinen Akkorden den für eine Londoner Gitarrenband eher untypischen Song, das Streichholz wird von Johnny Borell, dem Sänger, entzündet. Natürlich nur im Videoclip. Darin sinniert Borell über die schöne alte Frage, was denn die Liebe eigentlich sei. Die Ballade schwillt an, auch die anderen Bandmitglieder stimmen zündelnd ein, im Hintergrund tauchen weitere Lichter auf. Schließlich ruft Borell, zu immer neuen Streichhölzern, die er aneinander entfacht: Liebe mich, wo immer du bist! Der überaus ökonomische Clip zeigt, wie man aus einem kleinen Funken eine Feuerzeughymne zaubert. Er versinnbildlicht außerdem, was ein guter Popsong ist: ein Licht in der Dunkelheit. Borell mag ein wenig metrosexuell wirken mit seiner Perlenkette und den angeföhnten Haaren. Aber man sollte den drahtigen Beau, der es sogar auf das Cover der „Vogue“ schaffte, nicht unterschätzen. Borell war für kurze Zeit Bassist der Libertines, jener legendären Band um den legendär drogensüchtigen Pete Doherty. Seinen eigenen Arbeitsbereich jedoch organisierte er eskapadenfrei und zielstrebig. Zwei seiner Mitarbeiter sind Schweden, und ähnlich wie bei der britisch-schwedischen Band Mando Diao, ist es diese familienkompatible Kombination aus Rock ’n’ Roll-Attitüde und solider Arbeit, die den Erfolg von Razorlight ausmacht. Und Streichhölzer, so viel steht fest, werden in jedem Haushalt gebraucht. Ralph Geisenhanslüke

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben