HIT Parade : Glückwunsch und Respekt

Dass sie bei der Geburtstagstorte an nichts sparen würden, war klar. Sahne, Butter, Trüffel, immer rein damit. Diese Woche auf Platz 4: A Tribute To Die Fantastischen Vier.

Ralph Geisenhanslüke
Fanta4
Die Fantastischen Vier -Foto: dpa

Die Fantastischen Vier sind zwanzig Jahre alt geworden. 36 Gäste haben sich auf einer doppelstöckigen CD versammelt, um ihnen ein Ständchen zu singen, selbstredend aus deren Repertoire. Es gilt dabei nichts weniger zu feiern als die Geschichte des Sprechgesangs deutscher Zunge, sowie das öffentliche Erwachen eines Teenie-Acts, der heute zu den unbestrittenen Großmeistern des Wortsports zählt und auch geschäftlich in der Champions League künstlerischer Unabhängigkeit spielt. Aber genug der Lobhudelei.

Auf dem Cover ist der fünfte Fanta zu sehen, Andreas Läsker; der clevere, unermüdliche Manager, der dafür sorgt, dass auch die Zahlen grooven. Diese fette Torte, drei Jahre Arbeit, ist sein Baby. Der ehemalige DJ und Plattenladenbesitzer aus Ludwigsburg, hat die Vier entdeckt. Mittlerweile managt er einen veritablen Entertainment-Stall und berät Unternehmen. Auch eine Saison als DSDS- Juror hat er absolviert – und den Sieger Thomas Godoj gleich unter Vertrag genommen. Godoj bleibt allerdings mit seinem Casting-Show-Power-Rock-Gekrampfe von „Flüchtig” eines der wenigen Negativbeispiele auf diesem Huldigungsalbum. Ansonsten ist es eine Zusammenstellung „der reizvollen Kontraste“, ein Attribut, das der ehemalige Friseur Thomas D. mal für seine Heimatstadt Gerlingen bei Stuttgart verwendet hat, um zu erläutern, dass ihm keine Wurstigkeit fremd ist.

Ein Blick auf die Besetzungsliste könnte vermuten lassen, dass hier die Wurstigkeit sogar vorsätzlich gesucht wurde. Nicht Seeed oder Die Ärzte oder auch Bushido heißen die Gratulanten, sondern: Mario Barth, Die Puhdys, Karat, Pur, Sasha, Peter Maffay, Thomas Anders, Xavier Naidoo. Doch, und das ist die große Überraschung, es sind gerade die vermeintlich Peinlichen, die es am besten können, und die Fanta-4-Songs gegen den Strich bürsten. Erstaunlich, wie cool Pur und die Puhdys (beide „MFG“) klingen können, wenn man ihnen mal einen anständigen Song gibt. Unbestreitbarer Höhepunkt: „Mehr geben“ von den Fehlfarben, mit einer umwerfenden Mischung aus Industrial-Beat und Reggae.

Man kann hinter dem Zielgruppen-Crossover dieses Albums Berechnung vermuten, und das wäre auch nicht abwegig, doch es griffe zu kurz. Die Gästeliste dieser Party ist nicht nur eine Leistungsschau der deutschen Pop-Branche, sie ist vor allem Ausdruck von etwas, das die Fantastischen Vier sich selbst und anderen immer entgegen gebracht haben: Respekt. Herzlichen Glückwunsch auch von: Ralph Geisenhanslüke

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