HIT Parade : Jan Delay

Diese Woche auf Platz 1 mit: „Wir Kinder vom Bahnhof Soul“. Jan Delay war schon immer eine coole Sau. Aber diesmal ist die Sau so cool, dass sie Eiswürfel kackt.

Ralph Geisenhanslüke

Kleine Szene in der Musiker-Pfandleihe: Jan Delay und Band kommen rein und testen ein E-Piano, Fender Rhodes. So beginnt das Video zu „Oh Jonny“. „Da is’ ja gar keine Action mehr drin“, sagt der Keyboarder. Und Delay, schwarzer Anzug, schwarzer Hut, schwarze Sonnenbrille, sagt: „Gibt’s die schwarzen Tasten umsonst dazu?“ Jonny, der Besitzer, schwarze Haut und ebenfalls schwarze Sonnenbrille, entfernte Ähnlichkeit mit Ray Charles, entgegnet: „Keine Action?“ Und langt in die Tasten. Fast müßig zu erwähnen, dass draußen noch einer rumhängt, der aussieht wie John Belushi von den Blues Brothers. Denn gleich hebt die Band an, alles einzulösen, was sie unter der Leitfarbe Schwarz verspricht: „Schwarze Mucke, schwarzer Block, schwarzer Humor und schwarze Zahlen.“ Genau das gibt es: Funk und Soul, politische Haltung, intelligente Texte – und Erfolg haben sie auch noch damit.

Mit Reimen, hat Jan Delay einmal gesagt, ist es wie mit Taschentüchern. Man sollte nur unbenutzte nehmen. Zum Beispiel Zeilen wie: „In deinem Karma, da arbeiten die fleißigsten Beamten / die sich noch mehr merken können, als 30 Elefanten“. Oder der Rat für schlechte Menschen: „Geh los und verkauf Crack, Mann! / Quäl Tiere und schau Beckmann!“ Oder das Bild vom Medien-Praktikanten auf „der großen Milchkaffee-Rampe ins Nichts“: „Gestern saßt du noch auf Chef / immer im Taxi hinten rechts / ab heute sitzt du allerdings / immer im Taxi vorne links“. Oder oder oder.

Jeder dieser in eineinhalb Jahren entstandenen, mit feiner Analogtechnik aufgenommenen Songs prickelt unter der Schädeldecke und umföhnt das Ohr mit feinen Bläsersätzen und allen anderen Ingredienzen schwarzer Musik, sodass man sich beim Hören zwei noblen menschlichen Tätigkeiten zugleich widmen kann: Tanzen und lachen. Jan Delay, 33, Sohn der Hansestadt Hamburg, war schon immer eine coole Sau. Aber diesmal ist die Sau so cool, dass sie Eiswürfel kackt. Ralph Geisenhanslüke

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