HIT Parade : Kate Nash macht Dumpfbacken wach

In ihren Songs wird deutlich: Obwohl sie erst 20 Jahre alt ist, kennt sich Kate Nash in Sachen Beziehungsstress schon bestens aus. Ihr Album „Made of Bricks“ hat in Großbritannien bereits Platin-Status.

Ralph Geisenhanslüke
Kate Nash
Kate Nash kümmert sich um die Ungemachte-Betten-Aspekte des Lebens. -Foto: promo

Geschlechtsorgane sind immer reizvoll, wenn es ums Beleidigen geht. Der Drive des Angriffs wird gesteigert durch die vermeintliche politische Unkorrektheit, edle Teile des menschlichen Körpers zur Herabwürdigung zu verwenden. Das ist natürlich rassistisch-sexistisch-imperialistisch und bäh. Besorgte Sprachpfleger aber können sich mit dem Gedanken trösten: Jede Waffe wird irgendwann stumpf. Ein Beispiel dafür ist die englische Injurie „dickhead“. „Dick“ ist im Englischen ein Synonym für „Schwanz“. Es spräche einiges dafür, „dickhead“ wörtlich mit „Schwanzkopf“ zu übersetzen. Im Internet gibt es sogar Fotomontagen mit dem Titel „Osama bin Laden is a Dickhead“. Klar, was er da anstelle eines Turbans auf dem Kopf trägt. Vielleicht denkt auch mancher an den Film „A Clockwork Orange“, wo Alex und seine Bande Masken aufsetzen, bei denen die Nase in Penisform verlängert ist. Doch der Gebrauch hat die Wirkung erschlaffen lassen.

Heute wird „dickhead“ jugendfrei mit „Arschloch“ oder „Schwachkopf“ übersetzt. Verwendet wird es weiterhin meist für Männer, denen man testosterongesteuertes Verhalten bescheinigt. Das tut Kate Nash in ihrem Song „Dickhead“. Einem von vielen auf ihrem Debüt-Album, in denen sie mit Lebensabschnittsbegleitern abrechnet. Kate Nash ist 20 Jahre alt und stammt aus London. Bekannt wurde sie unter anderem durch die Internetseite My Space. Im Unterschied zu anderen Web-2.0-Starlets hat sie jedoch Eigenheiten, die über einen ausgeprägten Cockney-Akzent hinausgehen.

Nash beschäftigt sich eher mit den Ungemachte-Betten-Aspekten des Lebens. In ihren niedlichen Videos sieht man sich paarende Socken und Zahnbürsten. Kate Nash zielt auf Hörer ihrer Altersgruppe, die sich schon ein wenig mit Beziehungsstress auskennen. In Großbritannien wurde das Album „Made of Bricks“ schnell mit Platin dekoriert, bei uns dauert es wohl noch etwas. Dabei lohnt es, Kate Nash genauer zuzuhören, wie etwa in „Dickhead“: das Stück ist eine Mischung aus Lo-Fi-Homerecording und langsamer Soul-Nummer und endet überraschend in einem grandiosen Streichersatz. Der dürfte auch die letzte Dumpfbacke erweichen.

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