HIT Parade : Marquess

Diese Woche auf Platz 16 mit: „Arriba“ von der deutschen Band Marquess. Ihre Songs unterscheiden sich vom Ballermann-Hummta. Das Spanisch klingt dennoch nach ersten Gehversuche eines VHS-Kurses.

Ralph Geisenhanslüke
291033_0_a11484bc.jpg Foto: dpa
Olé! Nach einer Runde Eimersaufen sind die Songs der Band Marquess eigentlich ganz okey. -Foto: dpa

Cindy & Bert stellten 1974 mit ihrem epochalen Werk „Spaniens Gitarren“ die grundlegenden Weichen für das Verhältnis der Deutschen zu spanischer Popmusik. „Es muss Nacht sein, es muss Nacht sein“, sangen sie. „Dann kommt Spanien so spanisch dir vor“. Das Motiv der Nacht bedeutet: Es ist dunkel, du musst nicht so genau hinschauen, und richtig nüchtern bist du auch nicht mehr. Dann macht das Ganze Spaß. Olé.

Der Song entstand zu einer Zeit, als in deutschen Wohnzimmern noch Stickbilder von rassigen Esmeraldas neben der Schrankwand hingen und der Traum von einer Pauschalreise nach Mallorca für viele zum ersten Mal in Erfüllung ging. Heute wird im Stundentakt nach Malle gedüst. Während sich im Hinterland der Insel eine gründliche Toskanisierung vollzogen hat, strömen die Massen weiter ungehemmt an die Platja de Palma. Und so handelt es sich bei dem guten halben Dutzend Mitklatsch- und Mitmach-Songs, die sich diese Woche in den Single-Charts drängen, um musikalische Souvenirs der ersten Heimkehrer. Die meisten davon sind ein klares Bekenntnis zum Sound der Schinkenstraße, berechenbar wie ein morgens um acht besetzter Liegestuhl.

Allein die Hannoveraner Band Marquess hebt sich davon angenehm ab. Zwar fährt auch sie jedes Jahr nach Spanien, aber ihre Songs unterscheiden sich vom Ballermann-Hummta, allein schon weil der Sänger Sascha Pierro vorwiegend auf Spanisch singt. Die Texte klingen wie erste Gehversuche eines VHSKurses und werden in Sprachforen genüsslich zerpflückt. Unter dem Titel „Arriba“ etwa teilen Marquess mit, dass die Band aus vier Jungs bestehe, schon vier Alben veröffentlicht habe und ihr Lieblingsziel der blaue Himmel sei.

Julio Iglesias war auf Deutsch ja auch nicht gerade für den Büchnerpreis nominiert. Spanisch klingt halt gut. Und nach einer weiteren Runde Eimersaufen sind die Songs eigentlich sogar ganz okay. Marquess haben sich als eine Art nordeuropäische Boy-Group-Version des LatinLovers etabliert. Wie Gipsy Kings ohne Haare auf der Brust. Sie sehen besser aus als DJ Ötzi und ihre Videos haben mindestens den Hüftschwung eines BacardiSpots. Insgesamt haben Marquess das Niveau des Genres Sommerhit also deutlich nach oben korrigiert. Allein dafür: Muchas gracias.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben