HIT Parade : Paul van Dyk

Diese Woche auf Platz 18 mit: „Volume – The Best Of“.

Ralph Geisenhanslüke

Es gab Zeiten, da erschien es undenkbar, dass ein DJ ein Best-of-Album veröffentlicht. Schon die Vorstellung, jemand könne als Identifikationsfigur dienen, war unmöglich. Der Personenkult und den Frontalunterricht des klassischen Musikgeschäfts gehörten abgeschafft. „No More Fucking Rock ’n’ Roll“ nannte WestBam einen seiner Songs. Der Titel war Programm. Das Publikum selbst sollte die Show sein. Bei der ersten Loveparade glaubten alle an diese romantische Vorstellung. Bis die Sponsoren kamen, und das Massenkoma.

2008 zog die bislang größte Loveparade durch Dortmund – mit 1,6 Millionen Menschen. Die Fotos dieser Krawallkirmes wirken, als hätten die neunziger Jahre nie aufgehört. 2009, im 20. Jahr ihrer Existenz, fällt die Loveparade aus. Die Mutter aller deutschen Straßenparaden liegt in den letzten Zuckungen. Paul van Dyk aber geht es so weit gut. Er ist ein Weltstar der Plattenteller, die die Arbeit am Beat nur noch ikonografisch verdeutlichen – der Job wird längst per Laptop gemacht. Je abstrakter und digitaler die Musikproduktion wurde, desto dringender brauchte sie Stars. Da kam der smarte Junge aus Eisenhüttenstadt gerade recht, als er mit Anfang 20 seine ersten Tracks auf dem Berliner Label MfS veröffentlichte. Dessen Kopf, der aus Manchester stammende Mark Reeder, schob Van Dyk in die Spur: Heute hat er U2 und Britney Spears remixt und wurde mit Verdienstorden behängt. Kurzum: Er ist Deutschlands Meister-DJ. Paul Van Dyk hat die Neunziger überlebt, wohl auch durch seine klare Anti-Drogen-Haltung. Besonders im Ausland werden seine teutonisch-seriellen Sequenzen bis heute hoch geschätzt. Wer sich aber recht erinnert, fragt sich fassungslos, wie er eine derart leere und statische Anordnung von Tönen ertragen konnte. Da war eine Menge Friede-Freude-Eierkuchen im Spiel.

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