HIT Parade : Sabrina Setlur

Die guten alten Zeiten sind vorbei. Sabrina Setlur ist - zumindest derzeit - nicht der Stern am Musikhimmel, der sie vielleicht gerne wäre oder einmal war. Immerhin: Diese Woche stieg ihre neue Single „Lauta“ auf Platz 50 in den Charts ein.

Ralph Geisenhanslüke
Sabrina Setlur Foto: promo
Auf der Suche nach den "good old times"? -Foto: promo

„Nebenan soll’s auch krachen“ fordert Sabrina Setlur und verbindet damit die Hoffnung, dass nicht nur ihre Schallwellen ballern, sondern auch der Erfolg mal wieder richtig scheppert. Setlur ist zwar erst 33, aber die Zeiten, als ihre Songs so fett wirkten wie Mercedes-Limousinen, sind vorbei. Jetzt trägt sie eine Victoria-Beckham-Schlagzeilen-Frisur, fährt einen amerikanischen Angeber-Jeep und muss sich erst mal wieder Gehör verschaffen. Natürlich benutzt sie noch imma ganz viele F- und S-Wörter. Sabrina Setlur muss viel schimpfen. Wie früher.

Früher – das war bevor sie zur Boulevardfigur wurde, vor Boris Becker, vor den Herrenmagazinfotos und den Magersucht-Storys. Früher, das war Mitte der Neunziger, im Mesozoikum des deutschen HipHop, als Setlur noch Background Vocals sang beim Rödelheim Hartreim Projekt. Als Xavier Naidoo noch bei Moses P der gute Junge war. Als Setlur zum ersten weiblichen Rap-Star deutscher Zunge wurde. Moses P, selbst ein Starkstrom-Schwadroneur, schmiedete ihr Songs und Beats. Und die Echo-Jury dachte: Ey, krass, die Braut.

Heute ist so manches Arschgeweih längst weggelasert, heute grinst Bushido mit seiner Hannibal-Lecter-Maske von den Plakatwänden, und sein neues Album ist schon vor Auslieferung vergoldet. Moses P und seine Sabrina Setlur würden dagegen wirken wie ein Kindergeburtstag – wenn ihnen nicht etwas Neues eingefallen wäre. Etwas neues Altes. Statt tumber HipHop-Klischees zeigt Moses P, dass er seine Hausaufgaben im Fach Black Music gemacht hat. Disco, Funk, Soul. Die Single „Lauta“ erinnert an das New York des Jahres 1980. Die Chöre, die die Hooklines schmettern und wimmern sind dick besetzt und manchmal klingt es, als tremolierte da der leibhaftige Xavier. Der Spaß ist nicht zu überhören bei dieser ausgeschlafenen Produktion. Damit das so bleibt: Bitte von jeder CD einen Euro an die Deutsche Tinnitus Liga. 

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