Hitparade : Beyoncés Identitätsfragen

Jede Woche bespricht hier der Popkritiker Ralph Geisenhanslüke ein Album aus den Charts. Diese Woche auf Platz 32: Beyoncé mit: "I Am ... Sasha Fierce".

Ralph Geisenhanslüke
Beyonce
Sag mir, wo du stehst. Beyoncé.Foto: promo

Im letzten Geschäftsjahr war sie mit einem Einkommen von 80 Millionen Dollar der zweitbestverdienende Pop-Act der Welt, übertroffen nur von The Police mit 115 Millionen Dollar. Solche Summen werden schon lange nicht mehr mit Tonträgern verdient. Bei den Briten schlug die Mammut-Tour zu Buche, bei der 27-jährigen Sängerin und Gattin von Produzentenmogul Jay-Z polstern vor allem Werbeverträge und Filmrollen das Budget. Pepsi, L’Oréal, Armani, der Popstar von heute ist Multitasker. Kein Wunder, dass da gelegentlich Identitätsfragen kommen. Zwei Herzen wohnen, ach!, in Beyoncés Brust.

Deshalb musste es eine Doppel-CD werden. Auf der einen schmettert sie Power-Balladen, auf der anderen lässt ihr Alter Ego Sasha Fierce die Partymaus raushängen. Damit nicht genug. In „If I Were A Boy“ wechselt sie auch noch das Geschlecht und geht im Video als harter Cop auf Streife. Spätestens in der Umkleide sieht jeder den kleinen Unterschied. Beyoncés Verlautbahrungen zum Konzept ihrer beiden Ichs wirken, gelinde gesagt, zweispältig. Den Vergleich mit den Beatles sollte mal ein Therapeut mit ihr diskutieren. Es handelt sich wohl um Begleiterscheinungen eines Image-Transfers. Die Welt soll nun die ernstzunehmende Künstlerin kennenlernen. Und die zieht es auch zur Leinwand. In „Cadillac Records“ spielt sie die Blues-Sängerin Etta James. Es geht um die Geschichte von Chess Records, einem Label, das schwarze Künstler wie Muddy Waters oder Chuck Berry groß machte. Leonard Chess schenkte seinen Künstlern, wenn sie Erfolg hatten, einen Cadillac. In der ersten Woche spielte der Film 3,7 Millionen Dollar ein. Damit könnte man nicht einmal den Ring an Beyoncés rechter Hand bezahlen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben