Hitparade : Bushido zahlt zurück

Jede Woche bespricht hier der Popkritiker Ralph Geisenhanslüke ein Album aus den Charts. Diese Woche auf Platz 26: Bushido mit: „Heavy Metal Payback“. Die CD ist allerdings diesmal eher Nebensache.

Ralph Geisenhanslüke
Bushido
Psst. Hat Bushido geklaut?Foto: dpa

Hip-Hop ist ein Gangster-Geschäft, das hat der Hörer inzwischen gelernt. Harte Jungs tun, was sie tun müssen. Klauen gehört dazu, auch musikalisch: Nicht umsonst sind auf vielen Hip-Hop-CDs die Sampling-Verweise länger als mancher Filmabspann. Sampling ist eine essenzielle Kulturtechnik im Hip-Hop, bei der nicht nur der Sampelnde profitiert. James Brown etwa verdankte sein Comeback der Tatsache, dass seine Schreie in Hip-Hop-Tracks verwendet wurden. Er hat die Musiker, die ihn sampelten, trotzdem verklagt. Doch wenn man vorher nett fragt, wie etwa Puff Daddy bei The Police, haben alle was davon.

Bushido hat offenbar gar nicht gefragt bei der französischen Gothic-Band Dark Sanctuary – und es ging ihm auch nicht um das Zitat als Reverenz. In 16 Songs des 2006 veröffentlichten Albums „Von der Skyline zum Bordstein zurück“, sagen die Anwälte von Dark Sanctuary, habe der Rapper deren Musik ohne größere Bearbeitungsmühe in voller Länge durchlaufen lassen. Die Musiker erfuhren durch die E-Mail eines Fans davon. Man kann die Songs bei Youtube vergleichen: Allein die Parallelen zwischen Bushidos „Janine“ und Dark Sanctuarys „Les mémoires blessées“ sprechen für sich.

Bushido selbst geht sonst gegen Urheberrechtsverletzungen unerbittlich vor – in seinem Namen wurden sogar schon Rentner verknackt, über deren ungesichertes W-Lan Musik gesaugt worden war. Eine unbekannte französische Band aber, dachte man wohl, kann man einfach auflaufen lassen. Der Prozess beginnt im Januar, der Zahltag könnte folgen. Derzeit steht Bushido mit einem bislang unbeanstandeten Album in den Charts – dessen Titel allerdings könnte ein Omen sein: „Heavy Metal Payback“. Ralph Geisenhanslüke

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