Hitparade : Debbie rockt!

Die fünf Mädchen von Debbie rockt! sind Stars im Wartestand, aber in der Teenie-Presse berühmt. Diese Woche stehen sie in der Hitparade auf Platz 53 mit: "Nie mehr Schule / Popp Song".

Ralph Geisenhanslüke
Debbie rockt
Die Mädels von "Debbie rockt!". -Foto: Promo

Die umgangssprachliche Benennung des Geschlechtsverkehrs ist starken Schwankungen unterworfen. Im Duden-Wörterbuch der „sinn- und sachverwandten Wörter“ kann man die abgelegten Moden verbalen Vollzugs nachlesen. Dort füllt der Eintrag für „Koitieren“ gleich mehrere Spalten. Es beginnt beim biblischen „erkennen“. Das ist ebenso antiquiert wie „beiliegen“ oder „beiwohnen“. Das dumpfbackige „bumsen“ ist nahezu verschwunden. „Pütern“ oder „pudern“, gehen vielleicht noch als regionale Varianten durch. Zeitlos erscheint nur „ficken“, das vom mittelhochdeutschen Wort für „reiben“ abstammt, die sexuelle Bedeutung ist seit dem 16. Jahrhundert bezeugt.

Hinter den meisten Wörtern steht: (in Klammern und kursiv) „(derb)“. Worin natürlich der Reiz besteht. Beim „Poppen“ allerdings wäre eine Aktualisierung vonnöten. Durch seine saloppe Beiläufigkeit ist „poppen“ längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Derzeit sieht man Plakate, sie zeigen einen Maiskolben, dem man ein Kondom übergezogen hat: „Poppt sicher“ steht darunter. Und nun hat eine schwäbische Mädchenband sogar einen „Popp Song“ veröffentlicht.

Die fünf Mädchen von Debbie rockt! sind Stars im Wartestand, aber in der Teenie-Presse berühmt. Debbie rockt! werden als die weibliche Antwort auf Tokio Hotel gehandelt, vielleicht wegen Frisurenähnlichkeiten, eher aber weil die fünf Mädchen, 16 bis 19 Jahre alt, kein Casting-Produkt sind. Ihr Song läuft in Dauerschleife und handelt von Jungs, die nur an einem interessiert sind: Mädchen ins Bett zu kriegen. Debbie rockt! arbeiten sich daran mit einem übersichtlichen Akkordangebot ab. „Punk“ will die Plattenfirma nicht dazu sagen. Sie spricht von „rotzfrechem catchy Powerpoprock“, der „Hype-gestählte Zielgruppen-Journos“ begeistert habe. Eine Ansammlung von Modewörtern, die vermutlich nicht lange genug bestehen, um im Duden Erwähnung zu finden.

Das Bestehen von Debbie rockt! hängt vom Erfolg ihres Albums ab, bislang lief es mäßig. Selbst der Falco-Song „Nie mehr Schule“ schlug nicht recht ein. Aber die Ferien sind noch lang, und wenn „Viva“ und „Bravo“ weiter für sie rotieren, klappt der poppmusikalische Durchbruch vielleicht doch. Ein Knabberartikelhersteller verbreitete vor Jahren schon die Erkenntnis: „Einmal gepoppt, nie mehr gestoppt!“. Ralph Geisenhanslüke

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