Hitparade : Pink: Was soll's!

Jede Woche bespricht der Popkritiker Ralph Geisenhanslüke hier ein Album aus den aktuellen Charts. Diese Woche auf Platz 1: Pink mit: „So What“.

Ralph Geisenhanslüke
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Gebranntes Kind. Pink.Foto: promo

Ehekrisen und deren öffentliche Verwertung sind besonders bei Sängerinnen fester Bestandteil der Image-Politik. Sie werden gern dazu genutzt, die Geschichte von der starken Frau zu variieren, die ihren Weg geht. Gegen alle Widerstände und besonders gegen ihren Loser von Mann. Ein Klassiker. Das Rollenbild aber hat sich gewandelt. Musste früher eine Schmerzensmutter wie Tina Turner den tränenreichen Weg zu sich selbst finden, geben heute coole Entscheiderinnen den Ton an. Zur Befriedigung nehmen sie sich irgendwelche leckeren Bengel und lassen sie nach Gebrauch fallen, wie es früher Männer mit Sekretärinnen oder Praktikantinnen taten. Statt der begrüßenswerten Gleichberechtigung führt dies lediglich dazu, dass Medienkarrierefrauen nun ein ähnlich konsumorientiertes Leben führen wie Männer.

Celebrities müssen ihr angeblich privates Leben industriell ausbeuten, sonst hätten sie abgesehen von ihrem Reich-und- Berühmtsein wenig zu erzählen. Das wirkt fast immer berechenbar und langweilig. Egal, ob es sich um einen schlechten Film handelt wie den von Madonna und Guy Ritchie oder eine trutschige Soap in der Delmenhorster Eigenheimwelt von Sarah Connor und Marc Terenzi.

Wie befreiend wirkt es da, wenn endlich jemand dieses Boulevard-Schema unterläuft. Pink macht ihre Scheidung zum Thema eines Songs. Die 29-jährige zweifache Grammy-Gewinnerin hatte dem hierzulande eher unbekannten Motocross-Fahrer Carey Hart nicht nur den Heiratsantrag gemacht, sie lässt ihn nun auch noch generös in ihrem Video auftreten. Die beiden sind weiter Freunde, lassen sie verlauten. Cool. Und Pink weint ihm auch nicht nach. Sie hat nur keine Lust, für ihn die Miete zu zahlen. Schließlich hat sie die Kohle. Sie lässt sich tätowieren, legt den Baum, in den sie ihre Namen ritzten, mit der Motorsäge um. Fährt besoffen mit dem Rasenmäher durch die Stadt. Hübsche Ausraster und Peinlichkeiten.

P!nk ist ein gebranntes Kind, Scheidungskind, entsprechend empfindlich, aber kein Opfer der Umstände. Sie lässt die Sau raus und lacht dabei. Die Trennung ist kein Weltuntergang, aber sie tut weh. Da darf man so was. So What! Ob das alles so stimmt, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Ralph Geisenhanslüke

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