Hitparade : The Police

Es ist das Comeback des Jahres. Trotzdem scheint niemand das Best-Of-Doppel-CD von "The Police" zu brauchen, das schon in der dritten Woche wieder aus den Charts zu verschwinden droht.

Ralph Geisenhanslüke
The Police Foto: dpa
Sting und Andy Summers. -Foto: dpa

Es ist das Comeback des Jahres. Trotzdem scheint niemand das Best-Of-Doppel-CD zu brauchen, das schon in der dritten Woche wieder aus den Charts zu verschwinden droht. Offenbar haben die Fans noch alle Platten im Schrank. Oder sind die Songs so sehr Teil des kollektiven Bewusstseins geworden? Das einzige weniger bekannte Stück jedenfalls ist die erste Single „Fall Out“, eingespielt 1977 mit dem Gitarristen Henry Padovani, der später durch Andy Summers ersetzt wurde.

1977 war das Jahr, in dem Punk und New Wave sich auseinanderdividierten. The Clash unterzeichneten ihren ersten Major-Deal, die Sex Pistols veröffentlichten „God Save The Queen“. Aber The Police oder die Talking Heads waren schon ganz woanders. The Police schlugen den Bogen zum Reggae und brachten damit zwei seinerzeit unvereinbar scheinende Zielgruppen zueinander: Punks und Hippies. „Roxanne“ wurde zur Blaupause des Police-Songs: Off-Beat-Akkorde von der Gitarre, präzise, kraftvolle Drums, die den häufigen Tempowechsel zwischen Strophe und Refrain einleiten, sowie Stings hohe Falsettstimme. Egal ob „So Lonely“, „Message In A Bottle“, „Walking On The Moon“ oder „Don’t Stand So Close To Me“ – das Rezept funktionierte und die Welt erkannte einen Police-Song nach wenigen Takten.

Sting, Stewart Copeland und Andy Summers waren etwa viermal so lange getrennt, wie sie zusammen spielten. Damit sind sie der Alte-Säcke-Falle entronnen. Copeland komponierte Film-Soundtracks, unter anderem für Oliver Stone und Coppola. Andy Summers, schon vorher eine Größe in der britischen Jazz- und Fusion-Szene, veröffentlichte ähnlich viele Soloalben wie Sting. Früher trug man musikalische Differenzen auch handgreiflich aus. Heute sind sie froh, wieder „three guys on a stage“ zu sein.

Doch Best-Of-CDs gelten etwa so viel wie die Goldene Uhr zur Pensionierung. Auch die Compilation zum 40-jährigen von Genesis (derzeit auf Platz 23) ist nach fast fünf Monaten noch nicht vergoldet, hat aber im Zug der Konzerte in Deutschland immerhin 20 Plätze zugelegt. Auf diesen Boost müssen The Police noch bis September warten, wenn ihre Deutschland-Konzerte anstehen. Der Auftritt morgen beim Medienspektakel „Live Earth“ wird daran wohl nichts ändern. Ralph Geisenhanslüke

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