Iron and Wine im Astra : "We don't have a lot to say, but we have a lot to play!"

Mit seiner exquisiten Band und einer Auswahl feiner Songs von vier Alben und diversen EPs hat Sam Beam das Publikum im Astra gerockt.

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"We don't have a lot to say, but we have a lot to play!" nuschelt Sam Beam ganz leise, fast scheu, dass man ihn kaum verstehen kann am anderen Ende des prall besuchten Astra. Aber dann hat er, der seit gut zehn Jahren unter dem Namen "Iron And Wine" firmiert, doch eine ganze Menge zu sagen.

In einem ruhigen langen Strom fließen die Melodien. Ineinander. Umeinander. Miteinander. Auseinander. Und wieder zusammen. Zu einer schrullig schönen rätselhaften Poesie: "A boy with a coin he crammed in his jeans then, making a wish, he tossed in the sea and walked to a town that all of us burned when god left the ground to circle the world…"

Der 37-jährige Beam, der seinen Bart getrimmt und die schwarzen Lockenhaare zurückgekämmt hat, was ihn optisch inzwischen weniger an einen Jesus als an einen jungen Fidel Castro erinnern lässt, singt seine traumhaften Texte mit angenehm natürlicher Stimme. Verhalten, rauchig, zart. Eingebettet in den dichten Klang erlesener Mitmusiker, die sich einander zugewandt im Halbrund um ihn aufgebaut haben, um immer wieder einen vollen musikalischen Kreis zu schließen. Von akustischer Folkmusik, Elementen von Dub-Reggae, Blues zu elektrischem Rock, Psychedelia, afrikanischer Polyrhythmik, Funk, Jazz und Soul und wieder retour. Ins Luftige und zurück ins Erdige.

Zwei Schlagzeuger machen ordentlich Rhythmus neben einem Bassisten mit kräftig hüpfenden Reggae-Figuren. Zwei Backgroundsängerinnen lassen ihre schönen Stimmen wehen, gelegentlich bis in den Orient. Ein Keyboarder färbt die hypnotischen Sounds mit Orgel oder E-Piano wie ein Reiter im Sturm. Ein Bläser spielt Flöte, Klarinette und rostige Soli auf dem Bariton-Sax. Ein Gitarrist wechselt zwischen Fender Telecaster, Mandoline oder Banjo.

Sam Beam liebt den Wandel, Veränderung, Erweiterung. War das erste Album von Iron And Wine "The Creek Drank The Cradle" im Jahr 2002 noch eine rein akustische Ein-Mann-Wohnzimmer-Angelegenheit, hat er seitdem seine Songs klanglich immer weiter entwickelt und elektrischer aufgeladen. So haben sich die letzten beiden Veröffentlichungen "The Shepherd's Dog" (2007) und "Kiss Each Other Clean" (2011) ein großes Stück vom ursprünglichen heimgemachten alternativen "Low-Fi"-Singer-Songwriter-Folk entfernt. Nicht allerdings von der Person und den Ideen ihres Schöpfers, der seine Musik trotz erstaunlicher Charts-Erfolge immer noch genauso uneitel, unaufgeregt und bodenständig betreibt wie damals.

Im Konzert klingt dann schon wieder alles ganz anders als auf Platte. Mit anderer Instrumentierung, anderen Arrangements, neuen Farben, neuer Stimmung. Eine spezielle Mischung aus Funk und Folk mit schmackelnden Wah-Wah-Gitarren ruft angenehme Erinnerungen wach an die alte britische Band Traffic. Oder wenn Beam seine akustische Taylor Gitarre gegen eine elektrische Gibson SG tauscht, und Iron And Wine sich ausufernd durch die schläfrig hypnotische Moll-Trance von "Free Until They Cut Me Down" improvisieren, denkt man an alte Hippie-Zeiten mit Grateful Dead, als es noch das Genre "Kiffermusik" gab. Aber schon singt Beam wieder einen sanften akustischen Folksong mit zartem Falsett. Und als Zugabe nach anderthalb Stunden: "Mary Anne, dο уοu remember tһе tree bу tһе river wһеn wе wеrе seventeen?" Melancholisch, melodisch, makellos.

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