Karajans Klassiker : Kaufen und hören

Am 5. April 1908 wurde in Salzburg Herbert von Karajan geboren. Bis zu seinem 100. Geburtstag empfehlen wir täglich: das Schönste aus seinen 690 erhältlichen Aufnahmen.

Christiane Peitz
Karajan
Herbert von Karajan in seinem Element. -Foto: ddp

Totale Windstille. Sanft sei der Wind, der Atem stockt, bange Vorahnung. Ein Schmerz, der betäubt, bevor die Wunde geschlagen ist. „Così fan tutte“, 1. Akt, „Soave sia il vento“, das Terzett Fiordiligi/Dorabella/Alfonso. Die Liebsten reisen ab, die Frauen bleiben am Ufer zurück, mit Don A., dem Liebesintriganten. Noch hat niemand niemanden betrogen, aber schon krampft sich allen das Herz, belibt die Zeit stehen, zwischen zwei Pulsschlägen. Und Karajan macht Kammermusik, trägt Mozart auf Händen, mit unendlich sanften Violinen und pochenden Bässen, als sei jeder Ton ein zerbrechliches Kleinod. Ja, der Egomane konnte sich auch komplett zurücknehmen.

Elisabeth Schwarzkopf (Fiordiligi) und Nan Merriman (Dorabella) umschlingen einander in innigen Terzen, zwei Schwestern vereint in der Liebesfurcht, mit behutsam flirrendem Vibrato. Erotik des Vorspiels: Nur bei den Trugschlüssen auf „desir“ setzt Karajan Akzente, deutet die kommende Erregung an. Und Sesto Bruscantini als Don Alfonso bescheidet sich, als habe ein Skrupel dem Verführer die Kehle zugeschnürt. Die technische Qualität dieser 1954er-Aufnahme mit dem Londoner Philharmonia Orchestra ist nicht die Beste. Macht nichts: Sie bleibt der zärtlichste Versuch über die schönste Arie der Welt. Christiane Peitz

„Così fan tutte“, 1954, EMI

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