Katharina Wagner : "Meistersinger" - Proben bis zur letzten Minute

Aufgrund technischer Probleme soll die junge Regisseurin Katharina Wagner ihre erste Inszenierung der Oper "Die Meistersinger von Nürnberg" bis kurz vor der Premiere geprobt haben. Die Neuinszenierung steht im Zentrum der Bayreuther Festspiele.

Bayreuth
Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Ehemann Joachim Sauer gehen über den Roten Teppich. In Bayreuth wird die Eröffnung der 96....Foto: ddp

Bayreuth/Mainz Regisseurin Katharina Wagner hat bis zur letzten Minute für ihre "Meistersinger"-Neuinszenierung bei den Bayreuther Festspielen geprobt. "Es gab technische Probleme bis zum Schluss", sagte sie in Bayreuth wenige Stunden vor der Eröffnung der 96. Richard-Wagner-Festspiele mit der Premiere der Oper "Die Meistersinger von Nürnberg".

Für die 29-jährige Tochter von Festspielchef Wolfgang Wagner ist es das Regiedebüt auf dem "Grünen Hügel". "Wir sind gestern um halb neun Uhr abends rechtzeitig zum Schluss gekommen", sagte Wagner. Von den Problemen sei unter anderem die Lichtregie betroffen gewesen. "Das hat nicht so funktioniert, wie es sollte." In ihrer Inszenierung wollte Katharina Wagner erstmals in Bayreuth auch zur problematischen Rezeptionsgeschichte der Oper im Nationalsozialismus Stellung nehmen. "Das ist für diesen Ort neu, das ist hier noch nicht geschehen", sagte sie.

"Meistersinger" gelten als Hitlers Lieblingsoper

Die "Meistersinger" galten als Hitlers Lieblingsoper und wurden während der NS-Reichsparteitage aufgeführt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Werk in Bayreuth bisher ausschließlich von den Wagner-Enkeln Wieland und Wolfgang Wagner inszeniert. Wagner sagte, sie sei vor der Premiere sehr nervös und werde während der Aufführung hinter der Bühne sein. Für ihre moderne Inszenierung erwarte sie vom Publikum "starke Ablehnung und ein wenig Beifall". Es gehe ihr aber nicht um plumpe Provokation und den bloßen Skandal. "Dahinter steht ernsthafte Arbeit." Die Festspiele müssen nach Meinung der Wagner-Urenkelin wieder eine Vorreiterrolle in der Wagner-Interpretation anstreben. Es gehe nicht darum, etwas zu bewahren, sondern auch darum, es zu entwickeln, sagte sie in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung".

Die mögliche künftige Festspielchefin sieht durchaus noch Entwicklungspotenzial. "Bayreuth kann Experimente wagen", sagte Katharina Wagner. Ihr Festspielkonzept habe sie im Kopf, teilweise auch schon zu Papier gebracht. Unter Zeitdruck stehe sie dabei nicht. Schließlich sei das Nachfolgeverfahren noch nicht eingeleitet. Unterdessen schaltete sich in die neu aufgeflammte Nachfolge- Diskussion auf dem Grünen Hügel die Urenkelin Richard Wagners, Nike Wagner, ein. In einem ZDF-Interview sagte sie: "Bayreuth ist kein Erbhof mehr! Alle Kunst- und Theatermenschen können sich um das Erbe von Bayreuth bewerben." Vor dem Hintergrund, dass Festspielchef Wolfgang Wagner seine Tochter Katharina "als Kronprinzessin" etablieren wolle, müssten "Künstler aller Länder" gemeinsam ein neues Bayreuth "entlang der Gedanken von Richard Wagner" entstehen lassen, forderte sie. (mit dpa)

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