Pop : Keiner ist New Order

Gerrit Bartels über den Namensstreit bei einer britischen Popband

Es gibt sie, es gibt sie nicht, es gibt sie, es soll sie partout nicht mehr geben – nach diesem schwer zu durchschauenden Prinzip verfährt gerade die britische Popband New Order. Im Mai erst hatte New-Order-Bassist Peter Hook verkündet, die Band hätte sich aufgelöst, insbesondere weil er und New-Order-Sänger und -Gitarrist Bernhard Sumner nicht mehr miteinander können. Hook hatte jedoch die Rechnung ohne New-Order- Drummer Stephen Morris gemacht, der von einer Trennung nichts wissen wollte und im Juli mit Sumner beschloss, weiter als New Order Musik zu machen.

Nun hat Peter Hook sich wieder gemeldet und seinen Kollegen ins New-OrderStammbuch geschrieben: „Diese Band hat sich getrennt. Ihr seid genauso wenig New Order, wie ich es bin. Wir sehen uns vor Gericht“. Stramme Worte, die beweisen, dass die Bandchemie bei New Order nach Hits wie „Blue Monday“ (1982) und „Chrystal“ (2005) wirklich nicht mehr stimmt. Die zum anderen aber diverse Fragen aufwerfen: Wer hat das Recht, eine Band aufzulösen? Immer nur die Chefs an der Rampe? Oder darf auch der Drummer sagen, wann Schluss ist oder nicht? Wer besitzt die Rechte an einem Bandnamen?

Zumindest was den Namen betrifft, sind Bandtrennungen meistens ja einvernehmlich – das war bei den Beatles so, bei The Smiths oder bei Hüsker Dü. Oder es hat immer nur einer was zu sagen wie bei den Smashing Pumpkins, die immer dann so heißen, wenn Billy Corgan das will.

Doch es gibt andere Fälle, wie etwa den der ostdeutschen Schlimmrocker Karat. 1998 sicherte sich Karat-Sänger Herbert Dreilich den Namen als eingetragene Marke. Nach seinem Tod verbot Dreilichs Witwe per richterlicher Verfügung den übrigen Karat-Musikern, weiterhin als Karat aufzutreten. Aus Karat wurde „K.“, bis eine Zivilkammer des Landgerichts Berlin das Urteil aufhob und Dreilichs Namenspatentierung für ungültig erklärte. Die Begründung: Der Name gehöre der ganzen Band. Auch ein Brian Connolly musste nach der Auflösung von The Sweet als „Brian Connollys Sweet“ durch die Lande tingeln, und erst kürzlich traten beim Melt-Festival die Ex-Paul-Weller-Kollegen von The Jam als „From The Jam: Bruce Foxton &Rick Buckler“ auf.

New Order könnte es, wenn Hook vor Gericht erfolgreich sein sollte, ähnlich gehen. Vielleicht in der Variante „New Order minus Peter Hook“. Es könnte aber auch wieder auf Monaco, Revenge, Electronic oder, am perfektesten: The Other Two hinauslaufen – so hießen die Bands von Hook und Sumner in den neunziger Jahren, als beide schon einmal sieben Jahre lang getrennte Wege gingen. Perfekte New-Order-Sounds gibt es, Hooks Bass und Sumners Stimme sei Dank, auch ohne New Order. Womit wir wieder am Anfang wären: Es gibt sie, es gibt sie nicht, es gibt sie, und immer so weiter.

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