Klassik : Karajan-Preis für Alfred Brendel

Der österreichische Pianist Alfred Brendel erhält den mit 50.000 Euro dotierten Herbert-von-Karajan-Musikpreis 2008. Die Auszeichnung wird am 6. Dezember im Baden-Badener Festspielhaus verliehen.

Alfred Brendel
Alfred Brendel. -Foto: dpa

Baden-BadenGewürdigt werde "ein einzigartiger Pianist, der sich durch seinen ganz eigenen, nachdenklichen, philosophischen Zugang zu dem Werk und seiner reflektierten Interpretation hervorhebt", heißt es in einer Erklärung des Kuratoriums des Festspielhauses Baden-Baden. Brendel habe in seiner Laufbahn viele Klavierwerke von Joseph Haydn und Franz Schubert aus ihrem Schattendasein befreit. Der 77-jährige Pianist will seine 60 Jahre umspannende Karriere kurz nach der Preisverleihung mit einem Auftritt in Wien beenden.

Das Preisgeld ist zweckgebunden für die Nachwuchsarbeit. Brendel könne damit über den Zeitpunkt seines Abschieds von der Bühne hinaus ein bedeutendes Zeichen in der Musikwelt setzen, sagte der Kuratoriums-Vorsitzende Clemens Börsig. Die Auszeichnung wird seit 2003 in Baden-Baden verliehen. Bisherige Preisträger sind die Geigerin Anne-Sophie Mutter, die Berliner Philharmoniker, der russische Pianist Jewgeni Kissin, der Dirigent Waleri Gergijew und der Hamburger Ballettchoreograf John Neumeier.

Brendel spielte gesamtes Klavierwerk Beethovens

Der 1931 in Wiesenberg, im damaligen Nordmähren, geborene Brendel hatte zunächst in Graz und Wien Orchesterleitung und Komposition studiert. 1960 spielte er im Rahmen der Salzburger Festspiele erstmals mit den Wiener Philharmonikern. Später trat er bei Konzerten in der ganzen Welt auf, gab Ende der 60er Jahre Meisterkurse in Wien und ließ sich in den 1970er Jahren in London nieder. Brendel war der erste Pianist, der das gesamte Klavierwerk Beethovens einspielte, außerdem trug er wesentlich dazu bei, Schuberts Klaviersonaten und Schönbergs Klavierkonzert im Konzertrepertoire zu etablieren. Besonders beachtet wurden auch seine Interpretationen der Klavierwerke von Wolfgang Amadeus Mozart und Franz Liszt.

Bereits als junger Mann beschäftigte sich der humorvolle Musiker nicht nur mit Studium und Notenblättern. Er widmete auch der Malerei, Literatur und den Schönen Künsten viel Zeit. Zu seinen Publikationen gehören mehrere Bücher über Musik sowie Sammlungen absurd-humorvoller deutscher Gedichte. Brendel lebt in London, er besitzt unter anderem Ehrendoktorwürden der Universitäten von Köln, London, Oxford, Sussex, Warwick und Yale. Vor vier Jahren wurde er mit dem hoch dotierten Siemens-Musikpreis in München ausgezeichnet. (feh/dpa)

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