Konzert : Da sind wir fein raus

Harte Musik für sensible Gemüter: die amerikanische Hardcoreband Sparta in Berlin.

Michael Luger
Sparta
"Fuck Bush": Sparta-Sänger Jim Ward (zweiter von links) inmitten seiner Band-Kollegen. -Foto: Promo

„Fuck Bush“ hat Jim Ward auf seine Gitarre geschrieben. Mit Filzstift, in großen, krakeligen Buchstaben. „Fuck Bush“ krakeelt der Sparta-Sänger zwischen zwei Songs mit erhobener Faust Richtung Publikum. Ein Statement, das von politischen wie unpolitischen Bands beinahe wie eine Pflichtübung so regelmäßig ausgerufen wird, dass es mittlerweile genauso plump, sinnentleert und Zustimmung erheischend ist wie Sprüche vom Format eines „Seid ihr gut drauf?“ oder „Ich kann euch nicht hören!“.

Nun sind Rockkonzerte ohnehin nur selten der Platz für überraschende politische Brandreden oder subtile Zwischentöne, und wenn doch, dann in der Musik. Dafür ist Jim Ward mit seiner Band Sparta andererseits wieder der Richtige. Deren ausgeklügelte, feingliedrige Mischung aus Hardcore und Emo-Rock verliert gegenüber den bisherigen drei Studioalben – das letzte Album „Threes“ erschien im April dieses Jahres – auf der Bühne des Berliner Columbia Club nichts von ihrer Raffinesse, wird aber mit noch mehr Intensität und Nachdruck vorgetragen. Der Hallregler ist weit aufgedreht, der große, hagere Ward plärrt sich im kragenlosen Hemd mit aufgerissenem Mund und zusammengekniffenen Augen den Weltschmerz aus dem Leib und seine drei Kollegen an Gitarre, Bass und Schlagzeug steuern die entsprechend düstere, energetische Musikunterlage dazu bei.

Das alles bewegt sich in einem für Vertreter des sonst eher kompromisslosen Hardcore-Genres im leicht verdaulichen Bereich, liefert Ward mit seinem Gesang doch gleichzeitig Hysterie und feine Popmelodien, wütendes Geschrei und umschmeichelnd harmonische Passagen, wie etwa das rührende A-cappella-Ende des letzten Songs „Atlas“, das Ward minutenlang ohne Mikrofon mit dem Publikum als Chor singt. In solchen Momenten ist der Grat zwischen authentischem Drama und überzogenem Kitsch zwar schmal, Sparta treiben das Spiel mit großen Pop-Gesten aber nie zu weit.

Dazu sind die vier Amerikaner aus El Paso, Texas viel zu sehr vertraut mit den Widrigkeiten der Musikwelt, mit abgebrochenen Tourneen, verlorenen Bandmitgliedern und der Suche nach einem Label. 2001 waren Sänger Ward und Schlagzeuger Tony Hajjar noch Teil der experimentierfreudigen und zumindest in Insiderkreisen hoch geschätzten Hardcoreband At The Drive-In, die sich auf demZenit ihrer Popularität ohne weitere Erklärung auflöste. Die fünf Mitglieder teilten sich nur wenig später in die Bandprojekte Sparta und The Mars Volta auf. Letztere pflegt eher den verspielt-intellektuellen, ausufernden Ansatz und reichert harte Gitarrenriffs mit Jazz- und Funk-Einflüssen an. Das führt schon mal zu elendslangen Soli, die späten Sechziger-Jahre-Hippiebands um nichts nachstehen.

Sparta sind dagegen geradliniger, kalkulierter. Große Ausbrüche aus den Songstrukturen gibt es auch beim Konzert im Columbia Club nicht. Trotzdem gehören Sparta nicht zu den Bands, die ihr Programm lieblos und uninspiriert herunternudeln. Man muss nur gut hinhören, denn Jim Ward ist trotz der vermeintlichen Härte von Sparta ein Mann für die Feinheiten. Wenn es nicht gerade um Politik geht.

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