Konzert-Kritik : Ten Years After im Kesselhaus

Heftiges Blues-Rock-Geriffe im ausverkauften Kesselhaus: Ten Years After rocken mit ihren alten Hits à la Woodstock-Manier.

H. P. Daniels
Alteingesessene Woodstock-Rocker mit jungem Frontmann: Ten Years After. Neben neuen Liedern bringt die Blues-Rock-Band das Publikum hauptsächlich mit ihren 70er-Jahren-Hits in Stimmung.
Alteingesessene Woodstock-Rocker mit jungem Frontmann: Ten Years After. Neben neuen Liedern bringt die Blues-Rock-Band das...Foto: promo

"Es wird keine Pause geben" sagt der Conferencier im ausverkauften Kesselhaus, "versorgt euch mit Bier! Ihr werdet es nicht bereuen!" Und meint natürlich die Band, die mit Grummelintro auf die Bühne kommt: Ten Years After. Schon knattern sie los mit heftigem Blues-Rock-Geriffe: "I'm Coming On". Der Song stammt vom Album "Watt" aus dem Jahr 1970, als Ten Years After ihre besten Zeiten inklusive berauschendem Auftritt beim "Woodstock Festival" schon hinter sich hatten. 1974 lösten sich auf. 1988 hatten sie es noch einmal mit einer kurzlebigen Wiedervereinigung versucht, bevor sie nach dem letzten Album "About Time" 1989 endgültig auseinander gingen.

 Ein bisschen geflunkert ist es also schon, wenn diese Band, die jetzt hier rasant die alten Hits runterrattert, immer wieder angekündigt wird als "Die Legende von Woodstock", die seit über vierzig Jahren "unentwegt auf Achse" sei. Damals war das noch eine andere Band, mit anderem Frontmann: Dem Gitarristen und Sänger Alvin Lee, der mit seinem rasend schnellen, eigenwillig angejazzten, flinkfingrigen Stil die gerade neu entstehende britische Blues-Szene anflügelte und prägte. Mit den brillanten Mitstreitern Leo Lyons, Chick Churchill und Rik Lee waren Ten Years After Ende der Sechziger vor allem live eine elektrisierende Truppe mit einem interessanten neuen Sound. Heute noch nachzuhören auf dem exzellenten zweiten Album "Undead" (1968), einem umwerfenden Konzertmitschnitt aus dem Londoner Jazz- und Blues-Club "Klooks Kleek".

 Ohne ihren dynamischen, stilprägenden Frontmann Alvin Lee, der für eine weitere Reunion im neuen Jahrtausend nicht zu haben war, sind Ten Years After seit 2004 eine Tribute-Band auf hohem Niveau. Zwar haben sie seitdem drei neue Studio-Alben aufgenommen, ihr Konzertprogramm besteht allerdings fast ausschließlich aus den alten Gassenhauern von Alvin Lee von vor über vierzig Jahren. Vermutlich, weil es die alten Fans nicht anders wollen.

 Alvin Lees Rolle spielt seit sieben Jahren der inzwischen 34-jährige Londoner Gitarrist und Sänger Joe Gooch, der zu Zeiten von Woodstock und der Auflösung der originalen Ten Years After noch nicht geboren war, der sich seinen Alvin Lee auf der Gitarre aber gut draufgeschafft hat. Und so rödelt er technisch versiert ausufernde Improvisationen über das Griffbrett seiner Fender Stratocaster, liefert sich rasante Sound-Duelle mit den jazzigen Orgel- und E-Piano-Klängen von Chick Churchill.

Der wirkt mit Brille, Bauch und kurzen Haaren inzwischen wie ein verbeamteter Studienrat, der zu seiner Pensionierungsfeier noch einmal sein Keyboard rausgeholt hat und zeigt, dass er immer noch richtig toll spielen kann. Wenn man auch an diesem Abend leider etwas wenig von ihm hört. "Hear Me Calling". Die Rhythmusgruppe brettert eine solide Wand aus Sound. In atemberaubenden Tempo achtelt und sechzehntelt der fast 68-jährige Leo Lyons mit sichtbarem Spaß auf seinem abgeschabten alten Fender-Jazz-Bass und tänzelt dabei leidenschaftlich, dass die langen weißen Haare wehen und die Schnurrbartspitzen wippen. Hinten stärkt Schlagzeuger Ric Lee mit seinem präzise rockend oder jazzend der Band den Rücken und beglückt die alten Fans mit dem unvermeidlichen Schlagzeugsolo von "The Hobbit".

Den molligen Slow-Blues "I Can't Keep From Crying Sometimes" steigert Gooch in ein heftiges Riff-O-Rama, mit witzigen Zitaten aus der Rockgeschichte: "Sunshine Of Your Love" von Cream, Jimi Hendrix' "Foxy Lady" und "Hey Joe", "Walk This Way" von Aerosmith, Deep Purples "Smoke On The Water", sowie "Riders On The Storm" der Doors.

Und natürlich darf am Ende der Knaller von Woodstock nicht fehlen: "I'm Going Home" mit Hochgeschwindigkeitsgitarre, Wah-Wah-Einsatz und Tapping-Techniken, sowie weiteren eingebastelten Rock 'n' Roll-Schnipseln: "Baby Please Don't Go", "Blue Suede Shoes", "Whole Lotta Shakin' Going On" und "Hound Dog". Jede Menge Spaß für die ältere Generation. 

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