Konzert : Perfekt geölte Zwölfzylinder

Coole Truppe oder Proletengruppe? Am Sonntagabend spielten Oasis in der Arena - mit perfekter Lichtshow und einem Beatlescover.

Lara Wolf
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Britpop-Veteranen: Oasis aus Manchester.Foto: promo

Sonntagabend, Punkt 21 Uhr, Arena Treptow: draußen strömender Regen, drinnen tropische Temperaturen, vier nicht mehr ganz junge Männer betreten die Bühne der fast ausverkauften Halle, im Mantel und mit Schal: Oasis. Ihren Ruf als prügelnde, biertrinkende Prolls aus England oder als das außergewöhnliche Geschwisterpaar mit Mastermind Noel Gallagher und dem ungezogenen kleinen Bruder Liam werden sie an diesem Abend nicht verteidigen. Wohl eher den als die coolste Band der Welt, sogar besser als die Beatles, wie sie vor Jahren einmal von sich behauptet haben. Und sie sind cool - vom ersten bis zum letzten Song, bis zum Beatlescover "I am the Walrus" als letzte der vier Zugaben nach 100 Minuten - mit perfekt abgestimmter Lightshow und Videoleinwänden im Hintergrund, passenden Animationen sogar zu Soli und dem Gefühl, dass genau diese Songs in genau dieser Reihenfolge schon an die hundert Mal gespielt wurden. Das kommt nicht von ungefähr.

Auch das obligatorische "Wonderwall" ist dabei

Schaut man sich die Setlists der letzten Konzerte an, sieht man exakt die gleiche Reihenfolge wie an diesem Abend: abwechselnd schnell und langsam, große folgen auf eher kleinere Hits, die obligatorischen Songs wie „Wonderwall" oder „What's the story, morning glory " sind alle dabei. Das Publikum, zum größten Teil Männer zwischen 30 und 40, mit Halbglatze oder Frau an der Hand, dankt es der Band und reißt nur ab und zu mal die Arme hoch. Das sind auch schon die einzigen Momente, in denen so etwas ähnliches wie eine Verbindung zwischen Band und Publikum zustande kommt, außer zwei „Fucking"s und einem „Cheers" kommuniziert die Band nicht.
Wer sich Überraschungen erhofft hat, ist enttäuscht worden, aber die meisten hatten das wohl sowieso nicht erwartet. Zu gut weiß man, dass jedes Konzert ohne große Reden seitens der Band und Partymachen auf Seiten des Publikums abläuft, aber genau das ist mittlerweile das besondere an Oasis. Kein Improvisieren, kein Chaos. Sie sind halt Profis, wie Maschinen. Aber perfekt geölte Zwölfzylindermaschinen.

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