Konzert : Plan & Pointe

Das Bundesjugendorchester gastiert bei den Young Euro Classics.

Frederik Hanssen

Ein Konzertprogramm, eklektisch und buntscheckig wie im 19. Jahrhundert, fünf Komponisten in 100 Minuten, ein Potpourri effektvoller Paradenummern. Aber auch: lauter Kompositionen von jungen Leuten. Und auf der Bühne ein Haufen 14- bis 20-Jähriger, musikalisch angeleitet von einem 26-Jährigen. Das Bundesjugendorchester und Patrick Lange wollen sich bei ihrem Young-Euro-Classic-Auftritt ebenso neugierig wie stilistisch vielseitig präsentieren. Zum Beispiel mit Bernd Alois Zimmermanns „Märchen-Suite“, einem Frühwerk von 1950, das die Brutalität und Blutrünstigkeit der Kindergeschichten à la Grimm in keinem Takt beschönigt – und vor allem in seinem festen, ungeheuer selbstsicheren Zugriff auf den Orchesterapparat deutlich macht, dass hier ein ganz Großer heranreift.

Alexander Muno, 1979 bei Trier geboren, ist dagegen noch auf der Suche. Würde er nicht Musik studieren, sondern Kunst, könnte man sagen, dass er sich gerade in jener Phase des Lernens befindet, in der man sein Auge schult, indem man alte Meister kopiert. Sein „la mer en extase sous mes yeux“, das am Montag im ausverkauften Konzerthaus seine Uraufführung erlebt, klingt zu Beginn extrem nach Benjamin Brittens „Sea Interludes“ und im weiteren Verlauf nach fast allem, was im 20. Jahrhundert mal musikalische Mode war. Das Tonsetzerhandwerk beherrscht Muno schon höchst beachtlich – vielleicht findet er bald auch einen eigenen Weg.

Wirklich spannend aber ist an diesem umjubelten Abend die Beobachtung, wie viel leichter es offenbar einer spieltechnisch so versierten Truppe wie dem Bundesjugendorchester fällt, spätromantische Tondichtungen wie Ottorino Respighis „Fontane di Roma“ oder Richard Strauss’ „Till Eulenspiegel“ in ihrer ganzen raffiniert schillernden Vielfarbigkeit aufzufächern, als eine Rossini-Ouvertüre mit ihrem Feuerwerk angetäuschter Melodien zu erfassen. Das „Cenerentola“- Vorspiel, scheinbar der konventionellste aller Konzert-opener, gerät reichlich unelegant, lässt bei Dirigent wie Musikern jenes Gespür vermissen, wie man Töne „nach vorne“ spielt, ohne dabei gleich schon zu verraten, was als Nächstes passieren wird.

Mit Rossini ist es halt wie mit einem Witz: Nur wenn die Vorgeschichte lässig erzählt wird, kann die Pointe auch richtig zünden. 

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