Konzert-Rezension : Mann mit Mission

Tiefsinnige Raps mit politischer Botschaft sind Talib Kwelis Markenzeichen. Am 27. September war der "Student der Wahrheit" im Kesselhaus der Kulturbrauerei zu Gast.

Achim Fehrenbach

Talib Kweli ist ein ernst wirkender Zeitgenosse, ein conscious rapper. Als Kind war er ein Bücherwurm und schrieb Kurzgeschichten, in der High School kam er mit HipHop in Berührung und entwickelte sich schnell zu einem fähigen MC. 1998 nahm Kweli zusammen mit Mos Def "Black Star" auf, eine old school-Platte mit sozial engagierten Texten. Drei hoch gelobte Solo-Alben folgten.

Der Auftritt im Kesselhaus versprach spannend zu werden, auch weil Kweli durch seine jüngste Veröffentlichung einige Irritationen ausgelöst hatte. "The Beautiful Struggle" (2004) wurde von vielen Fans als Hinwendung zum Mainstream interpretiert. Das lag zum einen an der Musik - mehr Soul, mehr Pop - zum anderen aber auch an Reimen wie diesem: "They call me the political rapper/ Even after I tell 'em I don't fuck with politics/ I don't even follow it". Hat da jemand seine Ideale verraten?

Grinsender Panther

Am Dienstag kommt im Kesselhaus ein energischer Mann mit tiefsitzender Schildmütze auf die Bühne. Ohne Faxen, aber mit viel Verve übernimmt Kweli das Kommando über den randvollen Saal. Hier steht kein Gangster, sondern ein lernwilliger Prediger - "Talib" steht im Arabischen für "Schüler", "Kweli" im Ghanaischen für "Wahrheit". Das einzig Gefährliche auf der Bühne ist ein Bodyguard mit Sonnenbrille und "Black Panther Party"-Shirt. Aber selbst der lehnt nur an der Box und grinst sich eins.

Talib zeigt, was er kann, wechselt schnell die Tempi und streut immer wieder freestyle ein. Gerade mal eine Background-Sängerin hat er dabei, und die darf auch nur bei einer Hand voll Stücken ran, allesamt von "Beautiful Struggle". Das Publikum ist um die Zwanzig und steht mehr auf die härteren Sachen. Bei "Move Somethin'" gehen die Hände hoch und der ganze Keller wippt. Kweli befeuert das Kesselhaus mit seinem unnachahmlichen flow, der mal näselnd, mal rau daherkommt.

Ob als Breakdance-Animator oder als Kommentator des Geschehens vor der Bühne, immer hat der Mann aus Brooklyn das Szepter in der Hand. Nach anderthalb Stunden und zwei Zugaben verlässt Kweli nicht etwa die Bühne, sondern leitet als wahrer master of ceremonies nahtlos zur Aftershow-Party über. Fazit: Live ist Talib Kweli viel mehr er selbst als auf seinem jüngsten Album.

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