Konzertbericht : Die uneitle Perfomance der Alela Diane

Jörg Wunder über den Auftritt der zierlichen Folkdame in der Berliner Passionskirche.

Jörg W,er

So eine Tournee ist anstrengend: Morgen im Bus nach Wien, und abends gleich wieder ein Konzert – Alela Diane klingt erschöpft, als sie die Strapazen des folgenden Tages aufzählt. Diese Offenheit ist Teil des Authentizitätsversprechens, das in den spröden Folksongs der 26-jährigen Amerikanerin mitschwingt und in der gut besuchten Passionskirche durch eine uneitle Performance eingelöst wird.

Trotz ihrer zierlichen Statur steht sie wie ein Fels hinter dem Mikrofon und singt mit glasklarer, an Joni Mitchell und die Country-Ikone Emmylou Harris erinnernder Stimme, meist in betörenden Harmonien mit Alina Harding. Dazu liefert sie sich eloquente Gitarrendialoge mit ihrem Vater Tom Menig, der feinen melodischen Flitter über die Akkorde streut. Zu „Dry Grass and Shadows“ komplettieren Bassist Tom Bevitori und Schlagzeiger Benjamin Oak Goodman im Südstaaten-Landeier-Look das Line-Up. Doch mehr als ein federnder Country-Trab oder ein dezent groovendes Folk-Tänzchen ist nicht drin. Mehr ist aber auch nicht nötig, zumal sich Bevitori bei seinem stoischem Bassgeplucker derart verrenkt, dass es wie die Parodie eines Heavy-Metal-Angebers aussieht.

Nach acht Stücken in vollem Band-Ornat werden Sound und Besetzung zurückgefahren, bis Alela Diane, nur von Vater Menig auf der Mandoline begleitet, die düstere Ballade „Lady Divine“ spielt. Feierabend ist dann aber noch nicht, das Publikum ertrotzt sich mit minutenlangem Applaus eine zweite Zugabe. Der „Pirate‘s Gospel“ soll es sein, jener energische Folk-Singalong, dessen Beliebtheit Alela Dianes Songwriter-Karriere erst ins Rollen brachte. Alle Bandmitglieder stimmen mit der begeisterten Fangemeinde den aufrührerischen Freibeutergesang an. Und morgen geht‘s auf Kaperfahrt nach Wien!

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