Konzertkritik : Allez les Bleus!

Dass alte Herren auch noch ganz gut Fußball spielen können, beweist uns Frankreich bei dieser Weltmeisterschaft. Ein paar Jährchen jünger und noch einen Tick frischer als Zizou & Co. sind die Hip Hopper der Saian Supa Crew aus Paris. Zum Halbfinale gegen Portugal traf sich Frankreichs alte und neue Garde auf dem Popkick-Festival im Treptower Park.

Achim Fehrenbach

Am Eingang zum Popkick steht Luis Figo. Kühne Nasen- Mund- Partie, kohlpechrabenschwarzes Haupthaar, ewiger Dreitagebart und ein Trikot mit der berühmten Nummer 7. Majestätisch schweift sein Blick in die Tiefe des Raumes, immer bereit, den alles entscheidenden Zauberpass zu spielen. Allein, ihm fehlt ein Ball. Und wenn man genauer hinschaut, ist er's auch nicht wirklich, sondern nur ein look-a-like, das an diesem Mittwochabend im Treptower Park die Blicke auf sich zieht. Allzu viele Sympathien wird er nicht ernten. Es ist der Abend des Halbfinales Frankreich gegen Portugal. Vor der Live-Übertragung gibt die französische Saian Supa Crew ein Konzert. Das Popkick-Gelände wimmelt von französischen Fußball- und Hiphop-Fans, da hat es ein Luis Figo naturgemäß schwer.

Das Konzept der Popkick-Veranstalter, WM-Spiele auf Großleinwand mit Live-Musik zu verbinden, geht an diesem Abend wieder einmal auf. Mehrere tausend Besucher finden den Weg in den Park. Anders jedoch als beim Auftaktkonzert mit Seeed und dem Spiel Deutschland - Costa Rica, als das Gelände wegen Überfüllung vorübergehend geschlossen wurde, hat heute jeder genügend Platz zum Tanzen und Jubeln.

Bass im Gras

Die Saian Supa Crew lässt es gleich ordentlich knallen. Luis Figo hat sich auf einen sicheren Platz hinter dem Wellenbrecher zurückgezogen und beäugt argwöhnisch das Spektakel. Fette Bassbeats erschüttern die Grashalme und das darüber tanzende Volk. MC Leeroy lässt bissige Reime auf die Hörer los, während Feniksi, Vicelow, Sly the Mic Buddah und Sir Samuel die Bühne mit kinetischer Energie füllen. Ragga und Reggae, Soul und afrikanische Soukous-Beats sind die Zutaten für das Saian-typische Gebräu. Hip Hop aus Frankreich ist nicht mehr nur MC Solaar. Die deutschen Pendants heißen Seeed und Culcha Candela.

Noch eine halbe Stunde bis zum Anpfiff, und das Publikum tanzt, als wäre Frankreich schon im Finale. Die Grasnarbe steht in Flammen, wohlige Gerüche ziehen durch die Reihen. Eben hat der breit grinsende Sly eine viertelstündige Beatbox-Show abgezogen. Jetzt stürmen seine Kollegen wieder die Bühne und heizen kräftig ein. Man könnte die fünf Energiebündel auch in die französische Abwehr stellen, ein Ball käme da garantiert nicht durch. Figos Double ist nicht mehr zu sehen, hat sich wahrscheinlich an einen der Bierstände verkrümelt. Um viertel vor neun gibt Saian eine letzte Zugabe, dann erscheint das Abbild des heiligen Zizou auf der Leinwand. Allez les Bleus!

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