Konzertkritik : Angela Desveaux: Herz und Seele trotz halber Kraft

Vor zwei Jahren empfahl sich die junge Kanadierin Angela Desveaux mit dem Debüt-Album „Wandering Eyes“ und einem strahlenden Auftritt im Quasimodo. Jetzt folgte der Admiralspalast.

H. P. Daniels

Im Quasimodo sang sie damals lediglich in Begleitung eines Gitarristen. Auf einer Nebenbühne des Admiralspalasts stellt die Songwriterin aus Montreal nun mit kompletter Band ihre neue Platte „Mighty Ship“ vor. Schade, dass nur knapp drei Dutzend Zuhörer den Saal so hallig klingen lassen. Es ist, als sähe man einer Band beim Proben zu. Halbe Kraft, halbe Leidenschaft, halber Ausdruck.

Natürlich macht es keinen Spaß, gegen gähnende Leere anzusingen. Und so hat die sonst so herausragende, ungekünstelte Stimme Mühe, sich durchzusetzen. Dabei zeugen auch die neuen Songs von Desveaux von großem Talent. Auch die Band ist exquisit. Besonders der Gitarrist, der auf einer dicken Gibson-Jazzgitarre geschmackvolle Ornamentierungen und Countrylicks zwischen Desveaux’ Rhythmusgitarrenteppich webt. Und der mit ihr rührende Duette singt. Trotz der Umstände kommen doch noch Herz und Seele ins Spiel.

„Mighty Ship“, der Titelsong des neuen Albums, ein Walzer mit dreistimmigem Harmoniegesang, glänzt in bittersüßer Melancholie. Am überzeugendsten bewegt sich Desveaux auf dem Terrain alternativer Countryballaden. „Worried Mind“ mit seinem an Daniel Lanois erinnernden Schwirr-Sound ist der Höhepunkt eines fast tragischen Konzertes. Angela Desveaux hätte mehr Publikum verdient.

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