Konzertkritik : Bill Wyman's Rhythm Kings im Postbahnhof

Er war Bassist der Rolling Stones und hat in riesigen Stadien gespielt. Am Montag trat Bill Wyman mit seiner Hobby-Band im Postbahnhof auf.

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Als Bassist der Rolling Stones hat Bill Wyman in den größten Stadien der Welt vor Zigtausenden gespielt. Bis es ihn anfing zu langweilen - die Musik, die Routine, die Stones, die Stadien. Nach einunddreißig Jahren hat er 1993 die "größte Rock 'n' Roll-Band aller Zeiten" verlassen, um endlich tun zu können, was ihm wirklich Spaß macht: Bücher schreiben, fotografieren, sich mit einem Metalldetektor auf Schatzsuche begeben. Und in einer Hobby-Band spielen. Nachdem sich für den Auftritt von Bill Wyman's Rhythm Kings die Columbiahalle als zu groß erwies, wurde das Konzert kurzfristig in den kleineren Postbahnhof verlegt. Schön für die Fans, die hier in den Genuss eines echten Clubkonzertes kommen: intim und bestuhlt. Auch ganz hinten ist man noch dicht genug dran an der Bühne, an der Band, an der Musik. Wyman, der mit 73 Jahren immer noch erstaunlich jung wirkt, sagt, er  habe die Band vor 12 Jahren aus reinem Spaß gegründet, zum puren Vergnügen am Musikmachen.

Und tatsächlich ist es eine Freude, die Rhythm Kings auf der Bühne zu erleben, mit ihrer dynamischen und leidenschaftlichen Mischung aus Rhythm 'n' Blues, Jazz, Swing, Soul, Cajun, Blues, Jump 'n' Jive, Rock 'n' Roll. Erstklassige Musiker, die niemandem mehr etwas beweisen müssen, spielen klassische Rocksongs von Chuck Berry über Clifton Chenier bis Screaming Jay Hawkins, ergänzen sich in perfekter Harmonie, wechseln sich ständig ab in Gesang und instrumentalen Solopassagen, haben sichtlich Spaß miteinander. Jeder bekommt genügend Raum, seine Fähigkeiten zu entfalten, doch bei keinem gerät das zum eitlen Ego-Trip.

Georgie Fame singt mit seiner markant swingenden R&B-Stimme erlesene Songs von Ray Charles, sowie eine berauschende Version des alten Coasters-Hits "Three Cool Cats". Und gospelt vorzüglich auf einer alten Hammond-B3-Orgel. Garaint Watkins gibt eine feine Interpretation von Dylan's "Maggie's Farm" und wechselt zwischen rasantem Boogie-Piano und Cajun-Akkordeon. Frank Mead und Nick Payne sind eine dampfende Bläsersektion mit diversen Saxophonen, Flöte und kreischender Blues-Harp. Die Sängerin Beverley Skeete betört mit diversen Soul-Klassikern, Gitarrist Terry Taylor mit T-Bone-Walker-Blues und Gene-Vincent-Rockabilly. Albert Lee spielt auf seiner roten Music-Man-Signature-Gitarre seine typischen, rasant gepickten, drahtig twängelnden Country-Gitarren-Soli, die ihn zum Idol so vieler nachfolgender Gitarristen gemacht haben. Das rhythmische
Rückgrat wird gestärkt vom exquisiten Drummer Graham Broad.

Und natürlich von Bill Wyman selbst, der sehr cool inmitten der formidablen Mitstreiter seinen herausragenden, melodisch rhythmischen Bass spielt. Mit synkopischem Daumenanschlag und lässig über das Griffbrett wandernden Fingern. Zum Schluss macht er sich und den Fans noch den besonderen Spaß, seine frühere Band zu covern: "Honky Tonk Woman". Wieviel größer ist das Vergnügen hier als im gigantischen Stadion.

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