Konzertkritik : Black Dub in der Passionskirche

Was man sieht, ist was man hört. Und was man hört, das kann man fühlen. Das Herz der Musiker, die Seele der Klänge. Beim Konzert von Black Dub in der Passionskirche passt alles auf geradezu magische Weise zusammen.

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Stark und rhythmisch sind Stimmen und Instrumente, locker und lässig, aber immer auf den Punkt und auf dem rechten Fleck, wo auch das Herz sitzt: Black Dub in der Passionskirche.
Stark und rhythmisch sind Stimmen und Instrumente, locker und lässig, aber immer auf den Punkt und auf dem rechten Fleck, wo auch...Foto: Promo

Der Ort, die Zeit, die Akteure, die konzentrierte Stimmung, Stimmen und Instrumente. Daraus entsteht ein wärmendes Gefühl von Freude und Freiheit. Obwohl die Bühne mehr Raum böte, stehen die drei Mikrofone ganz eng beieinander und die Musiker dahinter so dicht, dass sie sich fast körperlich berühren. Dass sie eine Einheit bilden, die so kompakt ist wie die Klänge, die sie gemeinsam hervorzaubern. Da ist ein himmlischer, dreistimmiger Gospelgesang. Stark und rhythmisch sind Stimmen und Instrumente, locker und lässig, aber immer auf den Punkt und auf dem rechten Fleck, wo auch das Herz sitzt. Soul, Blues, New Orleans Funk und ein Schuss Dub Reggae.

Die Songs vom formidablen Album "Black Dub", das im Herbst letzten Jahres erschienen ist bekommen im Konzert noch mal einen ganz neuen wunderbaren Dreh. Weil keine starren Tonfolgen festgelegt sind, sondern alles immer wieder neu entsteht aus spontanen Ideen und Anregungen, mit denen sich die vier Musiker gegenseitig inspirieren.

Der grandiose Drummer Brian Blades, dessen Einfallsreichtum schon Wayne Shorter, Herbie Hancock, Joni Mitchell und Emmylou Harris zu schätzen wussten, berackert ganz dicht neben den anderen so leichthändig wie abwechslungsreich ein winziges, mit Tüchern gedämpftes Schlagzeug, während Jim Wilson die exquisite Rhythmusgruppe mit fettem melodischen Thunderbird-Bass in einem tiefen soliden Fundament verankert. Alles bewegt sich in freiem Fluss, dessen Richtungsänderungen gelegentlich angedeutet werden mit einem fast unmerklichen Kopfnicken von Daniel Lanois.

Die junge Trixie Whitley, Tochter des 2005 gestorbenen Singer/Songwriters Chris Whitley, singt mit derartiger Leidenschaft und tiefem Ausdruck den Soul, dass man sie all jenen dringend ans Herz legen möchte, die Amy Winehouse für das stimmliche Nonplusultra hielten.

Und mittendrin steht der tolle Daniel Lanois, der als Produzent hervorragende Alben von Bob Dylan, Emmylou Harris und diversen anderen mit seinem eigenartigen schwirrenden Sound versehen hat, und schüttelt jetzt mit eben jenem Sound lässige Töne aus seiner Les Paul-Goldtop-Gitarre. Er wischt mit der rechten Hand über kräftige Akkorde, lässt Flageoletts klingeln, tippt und schnippt wunderbare Melodien aus Daumen und Fingern. Und sprengt dabei alle Genre-Grenzen, von Blues, Rock, Country und Jazz, zitiert Jimi Hendrix und John Coltrane und springt leidenschaftlich hin und her zwischen feinen Melodien und schräger Atonalität.

Lanois kennt seine musikalischen Wurzeln, aus denen er zauberhaft neue exotische Blüten züchtet. Trotzdem spielt er sich nie in den Vordergrund, bleibt immer angenehm unaufdringlich ein Teil dieses wunderbaren Kollektivs "Black Dub". Berauschend.

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