Konzertkritik : Blood Red Shoes im Maria

Im Maria waren Blood Red Shoes zu Gast. Mit ihren zornigen Liedern über Teenage-Angst, Wirrnisse, Langeweile und den unbändigen Drang nach Freiheit entzücken sie die Fans.

von
H.P. Daniels
H.P. DanielsFoto: Peter-M. Scheibner

Um viertel nach neun grollt und bebt es durch das gesteckt volle Maria, wie ein herannahender Orkan, dräuendes Unheil. Aber es sind nur zwei nette junge Leute, die zum bösen Grummelintro und zu Jubelschreien auf die Bühne kommen.

Der blonde Steven Ansell setzt sich an sein kleines Schlagzeug am rechten Bühnenrand, seitlich zum Publikum, reckt den rechten Arm mit dem Trommelstock steil nach oben. Zum Zeichen für seine Mitstreiterin Laura-Mary Carter, die hübsche Lady in düsterem Goth-Chic, einem flatterigen schwarzen Kleid mit raffiniert durchsichtigen Chiffon-Ärmeln, die ihre schwarze Telecaster in einen großen Marshall-Verstärker gestöpselt hat. Steven senkt den Arm, lässt ihn in die Snare krachen, und sie donnern los in einem Höllenlärm. Laura-Mary knallt elektrisierende Achtel in ihre Gitarre, während die dunklen Haare wild wehen im Wind eines Ventilators.

"Doesn't matter much" singen sie vom ersten Album "Box Of Secrets" aus dem Jahr 2008. Ob schon jemand die neue Platte gehört habe, fragt Steven. "Fire Like This" ist erst diesen Monat erschienen, aber die Fans kennen sie längst und feiern jeden Song davon enthusiastisch.

Es rattert und knattert. Steven drischt in die Trommeln, Laura-Mary semmelt in die Gitarre, abwechselnd oder gemeinsam singen oder schreien sie ihre zornigen Lieder über Teenage-Angst, Wirrnisse, Langeweile und den unbändigen Drang nach Freiheit. "I Wish I Was Someone Better", "It's Getting Boring By The Sea", "Count Me Out", "Don't Ask". Entschiedene Statements zu einem hitzigen musikalischen Lärm, den das Duo aus Brighton selbst als "Grunge On The Dancefloor" verstanden wissen möchte.

Entzückte Fans lassen dazu die Arme in die Höhe schnellen, klatschen rhythmisch über den Köpfen. Und schließlich verwandelt sich der ganze Saal in eine munter ausgelassene Hüpfburg. Nach einer Stunde sind alle geschafft, erschöpft, zufrieden.

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