Konzertkritik : Brandon Flowers: Das Las-Vegas-Syndrom

Killers-Sänger Brandon Flowers liefert bei seinem Konzert im Berliner Huxley's eine energetische Show, die aber nicht berührt.

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Betörend, aber nicht berührend: Brandon Flowers auf Solo-Tour ohne Killers.
Betörend, aber nicht berührend: Brandon Flowers auf Solo-Tour ohne Killers.Foto: dpa

Der Mann lässt sich lange bitten. Fast eine Stunde ist rum, seitdem die Vorband im nicht ganz ausverkauften Huxley's dem Publikum die Wartezeit verkürzt hat. Und noch immer keine Spur von Brandon Flowers. Unter Jubelgeschrei betritt er dann gegen 22 Uhr endlich mit seiner sechsköpfigen Band die Bühne.

Gerade mal fünf Monate ist es her, dass der Mann aus Nevada bekannt gegeben hat, die Pause seiner Band The Killers für ein Soloalbum zu nutzen. Und seit knapp einem Monat ist sein Solo-Album „Flamingo“ draußen. Sichtlich erfreut, dass er auch ohne Dave, Mark und Ronnie die Massen anziehen kann, legt der 29-Jährige sofort los. Er ist ohne Frage ein talentierter Frontmann. Wie ein Erweckungsprediger marschiert er in schwarzem Hemd und Hosenträgern von einer Seite der Bühne zur anderen, reckt die Fäuste in den Himmel und jagt den Teufel in die Wüste. Gott, Engel und Dämonen sind wiederkehrende Motive in den Texten des gläubigen Mormonen. Doch vor allem geht es auf „Flamingo“ um seine Heimatstadt Las Vegas, wo er einige Zeit als Hotelpage im Gold Coast Hotel samt angeschlossenem Kasino gearbeitet hat. Er streut des öfteren Glücksspiel-Motive in seine Texte ein. „Why did you roll your dice? Show your cards?“, singt er etwa im Song „Jilted Lovers & Broken Hearts”.

Akustikgitarren, eine Orgel und zwei Backgroundsängerinnen bereichern live die Songs, die sich im Grunde gar nicht so sehr von denen seiner Band „The Killers“ unterscheiden. Vor allem die fantastische Country-Stimme der kanadischen Singer-Songwriterin Lindi Ortega hebt das Niveau der gelegentlich ins Eintönige abgleitenden Songs. Für Überraschung sorgt eine Coverversion, die man von Brandon Flowers nicht unbedingt erwartet hätte: Kim Carnes’ „Bette Davis Eyes“ - der Hit seines Geburtsjahres 1981.

Trotz aller Energie und allen körperlichen Einsatzes schafft Flowers leider eines nicht: Gänsehaut zu erzeugen. Die Songs sind gut, die Band ist talentiert, seine Stimme live nicht schlechter als auf Platte. Doch als nach knapp einer Stunde der letzte Song vorbei ist, bleibt man merkwürdig unberührt zurück. Sogar die Rufe nach einer Zugabe bleiben aus. Das hindert Flowers und seinen Gitarristen jedoch nicht daran, wieder die Bühne zu betreten und eine Akustikversion eines Killers-Songs zu spielen. Er habe versucht, an den Kern des – so Flowers - „ziemlich aggressiven“ Songs zu gelangen und habe dort dessen wahre Schönheit entdeckt. Nach den ersten Takten von „When You Were Young“ vom zweiten Album „Sam's Town“ wird etwas deutlich, das für das ganze Konzert gilt: Es klingt gut, lässt einen aber völlig kalt. Flowers variiert überhaupt nichts, sondern singt den Song wie immer, nur dass diesmal keine volle Band hinter ihm steht.

Wie in der Touristenstadt Las Vegas ist vieles glamouröse Oberfläche – darunter herrscht Leere. Ebensowenig wie sich in den Kasinos der Wüstenstadt das Glück erzwingen lässt, können Emotionen nicht auf Knopfdruck erzeugt werden. Als das Licht angeht, scheint niemand besonders traurig darüber zu sein. Beim Verlassen des Huxley's fällt der Blick auf die Leuchtfassaden der benachbarten Spielbank. Eines muss man Brandon Flowers lassen: Die Location war perfekt gewählt.

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