Konzertkritik : Bright Eyes in der Columbiahalle

Mit großen Gesten und großem Sound: Conor Oberst hat nach vier Jahren Pause und Soloprojekten seine Bright Eyes mit dem neuen Album "The People's Key" wieder ins Leben und auf die Bühne zurückgeholt.

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Bright Eyes.
Bright Eyes.Foto: promo

Dämonisch angestrahlt in wässerigem Blau steht Conor Oberst auf der Bühne der Columbiahalle. Wie ein Außerirdischer treibt er im mächtigen Klanguniversum seiner Band "Bright Eyes", mit zwei Schlagzeugern, zwei Keyboardern, Bass und sphärisch schwirrender Pedal Steel.

Eine dramatische Stimme aus der Konserve erzählt etwas von Raum und Zeit, Schöpfung, Menschheit, Zukunft, Dimensionen, Hitler, dem Bösen, der Liebe, Fortschritt und Zukunft…

Oberst übernimmt den Song "Firewall" mit seiner fragilen Stimme, wattiert in dickem Hall: "Bust through the fire and walk into heaven / And then I'm standing in that blinding light…" Und dann steht er im gleißenden Licht mit weißer Telecaster und irgendwie entrückt.

Die Fans im proppenvollen Saal sind entzückt, dass der einunddreißigjährige Songwriter aus Omaha, Nebraska nach vier Jahren Pause und Soloprojekten seine Bright Eyes mit dem neuen Album "The People's Key" wieder ins Leben und auf die Bühne zurückgeholt hat. Dass sie nach einem kleinen Test-Auftritt im Kreuzberger Lido im Februar jetzt noch einmal auf großer Bühne zu sehen sind. Mit großen Gesten und großem Sound. Und einer farbigen Mischung alter und neuer Songs mit poetischen Texten und feinen Melodien mit starkem Brit-Pop Einschlag.

Besonders beeindruckend in zwei prallen Konzertstunden sind das gewaltig orchestrale "Shell Games" vom neuen Album, das an David Bowie erinnernde "Falling Out Of Love At This Volume" von 1997, sowie aus dem Jahr 2005 "Old Soul Song" mit melancholisch wehender Trompete und das ruhige folkig angehauchte "Lua".

Die Band spielt makellos, die Lichtarchitektur ist imposant mit viel buntem geometrischem Flimmern und Flattern, der Klangeindruck brillant. Allerdings wirkt auch alles etwas zu stark computerisiert - spitz, metallisch, unterkühlt. Doch vielleicht entspricht das den Hörgewohnheiten der jungen mp3-Generation. Ältere schätzen möglicherweise mehr den wärmeren Klang und die bescheideneren Gesten von Conors Solo-Arbeiten der letzten Jahre mit seiner bodenständigeren "Mystic Valley Band" und weniger Reizüberflutung.

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