Konzertkritik : Client: Fans essen Coolness auf

Im Lido taut das Londoner Elektropop-Trio Client erst nach einer Warmlaufphase auf.

Jörg W,er
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Unterkühlt. Sarah Blackwood, Kate Holmes und Emma Fox verströmen den Charme sowjetischer Armeekommissarinnen. -Foto: promo

Manchmal machen ein paar begeisterte Fans den Unterschied: Als Client die Bühne des locker gefüllten Lido betreten, deutet alles auf einen ziemlich unterkühlten Auftritt hin. Sängerin Sarah Blackwood, Keyboarderin Kate Holmes und die neue Bassistin Emma Fox verströmen in ihren grauen Drillich-Uniformen den Charme sowjetischer Armeekommissarinnen, was ganz gut zum agitierenden Impetus ihrer Songs passt.

Das Trio aus London bedient sich stilistisch ziemlich offen bei Synthiepop-Pionieren wie Anne Clark, Tubeway Army oder Human League, pimpt deren zeitgemäß dürres Soundvolumen aber mit knorpeligen Computerbeats und muskulösen Basstexturen auf. So entstehen immer wieder tolle Electroclash-Ohrwürmer wie „Make me believe in you“, „Can you feel“ oder „Rock‘n‘Roll Machine“, mit denen eine Kylie Minogue die Hitparaden stürmen würde, während Client nie über Insider-Kultstatus hinausgekommen sind. Sarah Blackwood gibt sich viel Mühe, ihre wenig expressive Gesangsperformance durch schauspielerische Elemente aufzupeppen. Was indes nicht immer gelingt: Wenn sie ungelenk das Mikrokabel als Peitschenersatz schwingt, scheint sie sich den dezenten Domina-Appeal selbst nicht abzunehmen.

So sehr die Musik auch das Gegenteil fordert, so richtig mitreißend ist das Ganze nicht, weil die drei Frauen irgendwie spaßgebremst wirken. Es scheint sich mal wieder das alte Vorurteil zu bestätigen, dass die abstrakte Arbeitsweise einer Elektropop-Formation zumindest live dem konventionellen Bandformat mit Schlagzeug und Gitarre aufgrund der geringeren Ausdruckmöglichkeiten unterlegen ist.

Denkt man. Doch dann gelingt es zwei, drei Fans in der ersten Reihe, Client doch noch aus der Reserve locken. Die überflüssige Mitklatscherei, die Sarah Blackwood nervigerweise immer wieder einfordert und die dem distanzierten Gestus der Songs eigentlich zuwiderläuft, lassen sie das Fußvolk erledigen und singen stattdessen an den richtigen Stellen so enthusiastisch aus vollem Hals mit, dass selbst die coole, bis dahin keine Miene verziehende Bassistin Fox schmunzeln muss. Die gesteigerte Spielfreude überträgt sich zurück auf‘s Publikum, das der Band zwei Zugaben abringt, ehe sie mit dem frostigen Torch-Song „Heartland“ nach 80 Minuten einen irritierenden Abgang hinlegen. Zuviel Spaß soll ja nun auch nicht sein.

http://www.myspace.com/client

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