Konzertkritik : Culture-Serial-Killers: Motörhead mit Glockenspiel

Nachahmung ist Schmeichelei: Das Berliner Cover-Duo Culture-Serial-Killers holt Rock-Klassiker ins Wohnzimmer. Kennen Sie weitere hoffnungsvolle Newcomer? Schreiben Sie uns!

Jan Oberländer
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Hitverwurster. Chiva Legal und Glenn Mills sind Culture-Serial-Killers. -Foto: promo

Die Idee, Meilensteine der Popgeschichte mehr oder weniger originell nachzuspielen, ist nicht neu. Das Ergebnis ist mal traurig (Mambo Kurt), mal lustig (Richard Cheese) – und mal kommen neue Meilensteine dabei heraus (Johnny Cash mit dem Album „The Man Comes Around“).

Eine gute Idee ist eben eine gute Idee. Nicht erst heute, in Zeiten, in denen die kopierfreudige Piratenpartei in deutschen Großstädten tausende von Stimmen gewinnt, hat eine aufstrebende Band jedes Recht der Welt, sich am Material anderer abzuarbeiten.

„Nachahmung ist die schönste Form der Schmeichelei“, fasst denn auch Sängerin Chiva Legal den Ansatz ihres Cover-Duos Culture-Serial-Killers (CSK) zusammen. „Woher ist das Zitat?“ fragt sie bei einem Kellerkonzert in der Kreuzberger Zyankali-Bar. Das Publikum weiß es nicht. „Na, aus ‚Saw 5’!“

Naja, bestimmt nicht ursprünglich. Aber das passt natürlich perfekt zum Ansatz. Kunst als Kopie: CSK schnappen sich einen Hit, etwa „TNT“ von AC/DC oder „Basket Case“ von Green Day, dann bastelt Laptop- und Samplerman Glenn Mills eine entspannte Wohnzimmer-Version daraus – mit Knurpselbeats, Reggae-Gitarren und Hall- und Doppelungseffekten für Chivas Stimme.

Auf der kleinen Zyankali-Bar-Bühne deutet die hübsche Dame mit den dunkel geschminkten Augen am Mikroständer einen Stangentanz an, bei einer gestöhnten Neuinterpretation von The Offsprings „Self Esteem“ presst sie sich die Hand einer Sexpuppe an die Brust, ihre Finger bewegen sich in Richtung Hosenschlitz. Der schwarz gewandete Glenn wippt derweil mit dem fusseligen Kopf und schraubt an der Technik herum.

Das ist alles ironisch und leicht, aber nicht wirklich beeindruckend. Chiva lässt ihre Stimme knarzen und kieksen, bei „Ace of Spades“ von Motörhead fährt Glenn ein Synthie-Glockenspiel-Solo ab. Und immer wieder: die Reggae-Gitarren. Der CSK-Lounge-Sound ist  ein bisschen eintönig, was zumindest an diesem Abend auch daran liegen könnte, dass nur der Gesang nicht aus der Konserve kommt.

Aber die Band hat gute Laune und das Publikum auch, der kleine Konzertraum ist voll, die rund 20 Gäste sitzen an Tischen, da wird gegrinst und mitgenickt. Von der im Erdhöhlen-Stil dekorierten Decke fällt alle paar Minuten schnarrend eine Plastikspinne an ihrem Faden herunter und wickelt sich wieder auf.

http://www.myspace.com/nominalmember

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