Konzertkritik : Dropkick Murphys in der Arena

Handeln oder untergehen, das ist die pathetische wie rührende Devise, die die meisten Songs der rasanten Gruppe aus Boston befeuert. Munter verquirlen sie keltische Folk-Musik mit Punk und Rock 'n' Roll, mischen Akustikgitarren, Bouzouki, Tin Whistles und Akkordeon unter verzerrte E-Gitarren.

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Manche Konzerte müssen hart erkämpft werden: erst durch schweres Schneegestöber zur Arena, dann durch dichte Nikotinschwaden in der Halle, zwei Stunden hölzerne Krawallkombos als Vorprogramm, Höllenlärm und jede Menge dumpfes Geschrei: "Böhlinn are you aaaalllriiiight? Are you having a good tiiiime?" Aber dann wird doch noch alles gut. Zu "The Foggy Dew", einer Einspielung von Sinead O'Connor und den Chieftains, sortieren sich die Dropkick Murphys auf der Bühne. Der Dudelsackbläser im Kilt bläst "Scotland The Brave", bis die restliche Band schwere Punkgitarren, Bass und Schlagzeug drüberhämmert: "Cadence To Arms" und "Do Or Die" vom ersten Album aus dem Jahr 1998.

Handeln oder untergehen, das ist die pathetische wie rührende Devise, die die meisten Songs der rasanten Gruppe aus Boston befeuert. Munter verquirlen sie keltische Folk-Musik mit Punk und Rock 'n' Roll, mischen Akustikgitarren, Bouzouki, Tin Whistles und Akkordeon unter verzerrte E-Gitarren, kreuzen eingängige Melodien mit Punk-Power, erinnern respektvoll an ihre englischen Wegbereiter Pogues und Clash. Auch im Beschwören alter Arbeitertugenden: Gewerkschaftsgeist, Solidarität, Courage, Rebellion gegen Ungerechtigkeiten, Sich-niemals-unterkriegen-lassen. "The Spirit's Alive". Sie singen über traurige Verlierer, kleine und große Helden des Alltags, Angeber und Alkoholiker, die Tragödie eines Grubenunglücks, das Glück einer Familie, gescheiterte Beziehungen, große Liebe.

In einem mächtigen Singalong zelebrieren sie den irischen Folksong "The Wild Rover", der offenbar immer wieder neue Generationen entzückt. Und am Schluss, nach anderthalb Stunden und über zwei Dutzend Songs, stehen mindestens hundert Fans mit den Murphys auf der Bühne, tanzen und fotografieren sich gegenseitig zu "Boys On The Docks". Manche Konzerte sind hart erkämpft. Diesmal hat es sich gelohnt. Draußen im Schneegestöber holt man tief Luft, und der Nikotingestank verliert sich aus den Klamotten.

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