Konzertkritik : Eli "Paperboy" Reed & The True Loves im Maschinenhaus

The True Loves, die Band auf der Bühne vom Maschinenhaus der Kulturfabrik, spielt ein fetziges Intro: drei dampfende Bläser, Bariton- und Tenorsaxofon, Trompete, Schlagzeug, Bass, Gitarre. Wie bei einer alten Soul-Revue der 60er-Jahre.

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Eli "Paperboy" Reed & The True Loves Foto: Promo
Eli "Paperboy" Reed & The True LovesFoto: Promo

Und der Mann an der Orgel gibt den Conferencier: "Alright! Are you ready! Say yeah! Ladies and gentleman, it's a great pleasure to introduce to you: Eli Paperboy Reed!"

Ein kleiner, pummeliger Typ hüpft auf die Bühne, stilbewusst gekleidet in einer dünnen schwarzen Wolljacke mit weißen Paspeln, und einer schwarzen Hose, deren Beine sich nach unten verjüngen und so über den spitzen Schuhen enden, dass man darunter noch die schwarzen Socken mit weißen Streifen sieht. Alles ist schwarzweiß. Die Kleidung, die Band und irgendwie auch die Musik, die nach einer Zeit klingt, zu der die Fernsehbilder auch noch schwarzweiß waren. Gute alte 60er-Jahre-Soul-Musik.

Eli springt ans Mikrofonstativ, kippt es elegant schwungvoll zur Seite, tanzt eine kleine James-Brown-Routine. Die Band funkt und funkelt, beste alte Schule, nur leider in einer Höllenlautstärke, wie man sie in der alten Schule sicher nicht gelehrt hat. Der Schlagzeuger peitscht einem knallige Beats um die Ohren, dass man um die Trommelfelle fürchtet.
Die ganze Band trägt Hörschutzstöpsel, der zappelige Gitarrist mit der schmackelnden Telecaster, dazu noch einen riesigen Gehörschutzkopfhörer, wie ein Arbeiter an Presslufthammer oder Dampframme.

Eli kreischt wie James Brown und singt "The Satisfier" vom zweiten Album "Roll With You" aus dem Jahr 2008. Und gleich auch ein paar Kostproben von der gerade erschienenen Platte "Come And Get It". Leidenschaftlich und schön.

Der Stil des 26jährigen aus Massachusetts, seine Songs, seine Art zu singen, wurzeln tief in der schwarzen Soul-Musik des amerikanischen Südens, klingen ein wenig nach dem Sound des legendären "Stax Studios" in Memphis, aus dem in den 60erJahren so viele beseelte Sänger hervorgegangen sind: Rufus Thomas, Wilson Pickett, Sam & Dave und unzählige andere. Vor allem aber vom begnadeten Otis Redding hat sich Eli Paperboy einiges abgeguckt: Sowohl Songstruktur, Harmoniefolgen, Melodien, Texte, wie auch Timbre und Phrasing des eindringlichen Gesangsstils. Es sind nicht die schlechtesten Vorbilder, die der Junge von der Ostküste einst in der Plattensammlung seines Vaters, eines Musikkritikers, entdeckte.

Als deutlich größter Einfluss leuchtet allerdings immer wieder der legendäre Sam Cooke hervor, mit dessen Hit "Twistin' The Night Away" von 1962 der weiße Soul-Jünger dem "King Of Soul" Respekt zollt und den Saal zum Tanzen bringt.

Dazu spielt er auf einer schönen 1956er Gibson ES 225T Semiakustikgitarre mit einem Daumenpick sehr geschmackvolle Fills, die wiederum angenehm an den großen Stax-Hausgitarristen Steve Cropper erinnern. "Just Like Me". Rasantes Gitarrensolo. Danach geht der Frontmann von der Bühne.

"Are you ready for the end of the show?" kreischt der Organist. "No!" hallt es protestierend aus dem Saal zurück. Das kann es noch nicht gewesen sein, alle wollen mehr, alle johlen, und nach einem kurzen instrumentalen Intermezzo kommt Eli zurück. Die Band geht, nur der Organist bleibt, und es ist eine Erholung, eine Weile vom krachenden Schlagzeug verschont zu bleiben.

Die feine Ballade "Am I Wasting My Time", begleitet von Gitarre und Orgel ist ein Höhepunkt des Abends. Wie auch "Pick Up Your Battles" - sparsamer instrumentiert als auf Platte, nur mit Gitarre und Trompete.

Zum Schluss drehen Eli Paperboy Reed & The True Loves noch einmal mächtig auf mit "Boom Boom" und "Explosion". Tolle Party, beste Tanzmusik.

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