Konzertkritik : Emiliana Torrini spielt sympathisch

"Ich bin so ein Hippie", bekennt Emiliana Torrini, als sie das Publikum in der locker gefüllten Columbiahalle zum Mitsingen des Beatles-Klassikers "Dear Prudence" auffordert. Da wäre man ja nie drauf gekommen!

Jörg W,er

Die Isländerin betritt die Bühne mit einem in aller Unschuld aufreizend kurzen Folklore-Kleidchen, das, nun ja, reichlich hippiesk wirkt. Beim Singen mit geschlossenen Augen verkrallt sich ihre rechte Hand am Mikrofon, während der restliche Körper in freien Zuckungen zur Musik der fünfköpfigen Begleitband verfällt, was an die Motorik legendärer Hippieköniginnen wie Grace Slick oder Janis Joplin erinnert. Zwischen den Liedern erzählt sie in englisch-deutschem Sprechgemisch - Torrini hat eine Zeitlang in Hessen gelebt - und mit Mut zur Selbstentblößung kauzige Anekdoten, die diesen Abend selbst dann kurzweilig geraten ließen, wenn die Musik mau wäre. Doch davon kann keine Rede sein. Zwar braucht es ein paar Stücke, doch spätestens mit dem treibenden Folkpop von "Me and Armini" legt sich Torrinis Anfangsnervosität. Die kann man der 32-jährigen kaum verdenken, spielt sie doch vor deutlich größeren Auditorien, seit ihr fetziges "Jungle Drum" zum Überraschungs-Sommerhit wurde. Emiliana Torrini macht das beste aus dieser Karrierechance: Als Rockabilly-Parforceritt mit Scatgesang ist "Jungle Drum" ein Höhepunkt des anderthalbstündigen Auftritts, aber keineswegs der einzige. Noch heftiger bejubelt wird die metallische Trip-Hop-Meditation "Gun", bevor der eingangs erwähnte Kollektivgesang, das zartbittere, von den Klängen eines Harmoniums verwehte "Fisherman's Woman" und das soulige "Heard it all before" einen feinen Zugabenblock bilden. Sehr sympathisches Konzert!

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