Konzertkritik : Evan Dando: Huschhusch durch die Höhle

28 Songs in einer guten Stunde: Lemonheads-Frontmann Evan Dando schrammelt sich solo durch den Bang Bang Club.

H.P. Daniels

Evan Dando kommt zu spät. Huschhusch wird er durch eine Hintertür "backstage" geschleust. Dann passiert erstmal nichts. In der kleinen schwarzen Höhle des Bang Bang Clubs wird es immer enger und heißer.

Jemand sagt, Dando sei, was Drogenexzesse angeht, der Pete Doherty der Neunziger: kreativ und unberechenbar. Anfang der Neunziger ist Dando als vorzüglicher Sänger, Gitarrist und Songschreiber der Lemonheads mit melodiösem Gitarrenlärm zum Star und Teenie-Liebling geworden. Bis ihn die Drogen fast umgebracht hätten, er 1996 die Band auflöste, für viele Jahre im Dunkeln verschwand, plötzlich wieder auftauchte, als Solo-Interpret seine Vorliebe für Gram Parsons pflegte und 2006 mit einem erstaunlich frischen Comeback der Lemonheads überraschte.

Jetzt ist der 39-jährige auf Solo-Promo-Tour für das neue Lemonheads-Album "Varshons", eine Sammlung von Coverversionen, die im Juni erscheint. Stürmisches Getöse der Fans, als ein langer Schatten auf die Bühne huscht. Plötzlich sieht man ihn nicht mehr. Wo ist er? Abgetaucht, weg. Es ist so dunkel. Da kommt von unten ein Kopf hoch. Schattig, verhuscht. Ein Gesicht ist kaum zu erkennen vor Düsternis und strähnigen Haaren. Nur die schwer ramponierte Gibson-Akustikgitarre, die aussieht wie eine fledderige Pinwand, beklebt mit Familienfotos.

Dando schrammelt und schrubbelt, und singt "Down About It". Und gleich hinterher "The Outdoor Type", das Gesicht gelegentlich geisterhaft angeleuchtet von Handykameras aus dem Publikum. Der nächste Song und noch einer. "My Drug Buddy" und "Hospital". Und noch einer. Und noch einer. Hintereinander weg, Endlosschleife. Ohne Pause, ohne Kommentar, ohne Regung. Etwas lieblos runtergeschrubbt.

Nach einer guten Stunde waren es 28 Songs, die meisten von "It's A Shame About Ray" (1992), dem erfolgreichsten und besten Album der Lemonheads. Die Fans toben. Und schon ist Dando weg. Aber - war er eigentlich richtig da?

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