Konzertkritik : Everybody Was In The French Resistance ...Now! im Magnet

Die Band mit dem lustigen Namen antwortet auf die Pop-Songs anderer Leute. Das ist witzig und charmant - auf Dauer aber auch etwas ermüdend.

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BerlinUm viertel vor elf wird es endlich dunkel im Magnet, eine gewaltige Chorversion der Marseillaise donnert durch den kleinen Saal, und die Zuschauer drängeln nach vorne, um zu sehen, was da gespielt wird.

UMM-KCH-UMM-KCH-UMM-KCH macht eine Maschine monotonen Rhythmus. Hinten hängt sich ein kleiner Dicker mit Hut eine Goldtop-Les-Paul-Gitarre um. Vorne steht ein ungleiches Paar: Die Amerikanerin Dyan Valdes, im schwarzweißen Kleid mit Rüschendekolleté, sonst tätig bei den L.A.-Rockern The Blood Arm, tastet sich lächelnd durch diverse Keyboards und Sounds. Ihr englischer Freund Eddie Argos, normalerweise Vorsteher der Brit-Rocker Art Brut, im grauen Anzug mit schmaler dunkelroter Krawatte, schleudert das Mikrofon am langen Kabel wie einst Roger Daltrey von den Who, erinnert aber sonst mehr an einen pummeligen Entertainer aus einem englischen Workingman's Club vergangener Zeiten. Schnelle Sprüche, Witzchen und immer wieder dieses leicht gekünstelte "Ha-Ha-Ha".

Die Band hat einen lustigen Namen: Everybody Was In The French Resistance ...Now! Und ein lustiges Konzept. "Wir antworten auf die Pop-Songs anderer Leute" erklärt Eddie in hastigem Varieté-Englisch. Ha-Ha-Ha.

Die Idee dazu hatten er und seine Freundin Dyan während einer Autofahrt, als der Song "Jimmy Mack" von Martha And The Vandellas aus dem Radio plärrte und Eddie Dyan erklärte, dass er noch nie damit einverstanden gewesen sei, wie Martha Reeves hier im Text mit dem armen Jimmy umspringe. Dyan stimmte zu und gemeinsam schrieben sie als Erwiderung auf die alte Motown-Nummer einen neuen Song, in dem sie Jimmys Partei ergriffen. Schließlich nahmen die beiden eine ganze Sammlung von Liedern auf, die die Perspektive anderer Songs "gerade rückten". Das Album "Fixin' The Charts" ist Ende Januar erschienen. Heute spielen sie die neuen Lieder im Konzert, mit jeder Menge lustiger Erklärungen und Kommentaren dazwischen. Ha-Ha-Ha.

Doch erstmal versucht Eddie von seinen Fans eine deutsche Übersetzung zu lernen: "Do you know this song?" - "Kennt ihr diesen Song?" Immer wieder stellt er die Frage. "Kennt ihr 'Gold Digger' von Kanye West?" Eddies Antwort heißt "Coal Digger". Kennt Ihr den traditionellen Folksong "Scarborough Fair"? Heute wird er zu "The Scarborough Affaire". Das ist witzig, wenn es allerdings auch nicht gegen die Ausdruckstärke von Bob Dylan ankommt, der schon 1962 mit "Girl From The North Country" seine ganz eigene, melancholisch poetische "Antwort" auf die englische Ballade gegeben hatte.

Lustig wiederum ist es, wenn Eddie und Dyan auf Dylans "Don't Think Twice It's Alright" reagieren mit "Think Twice (It's not alright)". Dass man vielleicht doch lieber zweimal darüber nachdenken solle, bevor man sich von jemandem trennt und einfach so abhaut. Eddie fände das nicht richtig. Er macht sich stark für alle Schwachen, Verlierer und Betrogenen. Avril Lavigne sei doch nur ein mieses Miststück, wenn sie in "Girlfriend" andere Frauen dazu auffordere, anderen die Freunde auszuspannen. In "G.I.R.L.F.R.E.N" antwortet er ihr, sie solle abhauen, er habe schon eine Freundin.

Wenn das auch alles sehr charmant verpackt ist, mit Sixties-, Motown- und Doo-Wop-Klängen, mit einer hübschen altmodischen "Telstar"-Orgel und elektrischer Gitarre, wirkt es auf die Dauer etwas ermüdend. Die Rhythmus-Maschine nervt mit artifizieller Monotonie, die Dreier-Band wirkt wie eine Demo-Gruppe für eine noch zusammenzustellende Combo, die dann richtig gut sein könnte. Heute rumpelt alles noch etwas wirr und wackelig daher, zu wenig geprobt, noch nicht richtig eingespielt. Und Argos' Sprechgesang, der gelegentlich an Mike Skinner von The Streets erinnert, bleibt zu farb- und ausdruckslos.

Nach 50 Minuten ist es dann auch schon vorbei.

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