Konzertkritik : Feeder im Postbahnhof

Es dauert ein bisschen, bis sich aus dem rohen Klangmatsch von Feeder etwas formt. Aber am Ende gelingt es den englischen Rockern bei ihrem Auftritt im Postbahnhof doch noch, den Saal in eine lustige Hüpfburg zu verwandeln.

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Feeder rockten am Dienstagabend im Postbahnhof.
Feeder rockten am Dienstagabend im Postbahnhof.Foto: Pat Pope

Auf der Bühne vom Postbahnhof sieht es aus wie zur Adventszeit in Neukölln. Überall Lichterketten. Um Verstärker und Schlagzeug. Wir warten auf Feeder. Volle Breitwand Ennio Morricone zum Entree von Feeder: Sehr laut und bombastisch. Das zeugt von eigenem Geschmack, Stil, Größenwahn, Sinn für Pomp und Melodie, und für verschmitzten Humor. Weil die Rockband aus dem Vereinigten Königreich nicht nur aus "Zwei glorreichen Halunken" besteht, sondern weil sie ein Trio sind, entsprechend dem Originaltitel von Sergio Leones Western und Morricones Musik von 1966: "The Good, the Bad and the Ugly".

Doch hässlich und böse scheint keiner von den Dreien zu sein, sind alle gut, zumindest als Musiker, sehen gut aus und hämmern in den ersten Song, punkig, schnell, laut und verzerrt, wie kläffende Hunde. Ist das "Barking Dogs" vom jüngsten Album "Renegades"? Und sie krachen gleich weiter in die nächste Nummer. Ohne Pause, ohne Luft zu schnappen, ohne großen Unterschied: "Insomnia", "Sentimental", "This Town" – runtergespielt. Ein paar Songs dauert es, bis sich etwas formt aus dem rohen Klangmatsch. Farbe, betörende Melodik, Dynamik, zurückhaltende Anfänge, bis es wieder knallt.

In der Mitte hinten am Schlagzeug berserkert Karl Brazil, den nacktem Oberkörper immerzu schwer in Bewegung. Vorne rechts achtelt Taka Hirose manisch in den knurrenden Rickenbacker-Bass, dreht sich um die eigene Achse, hüpft und tanzt und schüttelt die Haare wie Joey Ramone. Grant Nicholas, der 43-jährige, blonde Frontmann in Ringel-T-Shirt, Jeans und Sneakers drischt kraftvolle Akkorde in seine silbern glitzernde Fender Jazzmaster, singt sich ein, mit hoher durchdringender Stimme, kommt in Fahrt. "Pushing The Senses".

Jetzt sieht und hört man, dass die Drei Spaß haben zusammen auf der Bühne. Und die Fans im Saal sowieso. "Wir waren lang nicht mehr in Berlin", sagt Nicholas, "aber es gibt uns immer noch!" 2006 haben Feeder im Olympiastadion noch vor Zehntausenden gespielt. Das war im Vorprogramm der Rolling Stones. Heute im kleinen Postbahnhof wirkt der Besuch eher schütter. Aber was sagt das schon über die Qualität einer Band? Nichts.

In England sind Feeder eine Weile unter dem Namen Renegades aufgetreten, ein Inkognito, um Neues ausprobieren zu können, und nicht immer die alten Hits spielen zu müssen. Heute sind sie wieder Feeder und präsentieren fast das komplette siebte und jüngste Album "Renegades", mit dem sie zum Hämmern der frühen Jahre zurückgekehrt sind. So klingt "Home" zu Stakkato-Sprechgesang und Knattergitarre wie Eddie Cochran mit Hochgeschwindigkeitsdampframme.

In der Zugabe verwandeln die größten Hits "Tumble And Fall" und "Buck Rogers" den Saal in eine lustige Hüpfburg. Großer Jubel nach kompakten 75 Minuten.

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