Konzertkritik : Fehlalarm: M.I.A. im Berliner Huxleys

Kurz und schmerzvoll: M.I.A. gab sich im Berliner Huxleys die Ehre. Sonderlich motiviert wirkte sie nicht.

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Diva undercover. M.I.A. Foto: DAVIDS
Diva undercover. M.I.A.Foto: DAVIDS

Maschinengewehre knattern, Bomben sausen jaulend herab, Kampfjets jagen vorbei, Sirenen heulen. Mitten in diesem Inferno steht ein Rednerpult, hinter dem M.I.A. in einen Strauß Mikros singt: „All I ever wanted was my story to be told.“

Eigentlich ist diese Geschichte inzwischen gründlich auserzählt. Auf drei Platten, die sie nach ihrem Vater, ihrer Mutter und nach sich selbst benannte, und auch in Interviews hat die heute 35-Jährige von ihrer Jugend als Flüchtlingskind in Sri Lanka, Indien und England berichtet. Vom abwesenden Vater, der in einer tamilischen Rebellenorganisation kämpfte, von Freunden und Familienmitglieder, die im Bürgerkrieg starben. Dass sie inzwischen mit einem Milliardärssohn verlobt ist und in einer Villa in L. A. lebt, muss man nicht als Widerspruch zu den Terror- und Kriegsreferenzen sehen, die sie immer noch benutzt. Schließlich reimen auch Gangster-Rapper nach Jahren in den Charts immer noch über ihre kriminelle Ghetto-Vergangenheit. Zudem war die Kunstfigur M.I.A. von Beginn an eine höchst hybride – genau wie ihre Musik, die eine so aufregende wie wegweisende Verschmelzung von mehr als einem halben Dutzend Genres aus aller Welt ist.

Hip-Hop, Electro, Dancehall, Baile Funk und neuerdings auch Punk prallen aufeinander, wobei das auf den ersten beiden Alben weit besser funktioniert als auf der neuen Platte „Maya“. Das zeigt sich auch deutlich beim Konzert im nicht ausverkauften Berliner Huxleys: Das lärmende „Born free“ zu Beginn hat zwar Kraft und Zug, doch so richtig zünden will die Show erst, als die Schepper-Fanfare von „Bucky Done Gun“ ertönt. Endlich zieht M.I.A. auch ihren schwarzen Trenchcoat aus und legt für einige Minuten die riesige Sonnenbrille ab. Sonderlich motiviert wirkt sie nicht. Zwei Tänzer sorgen für Bewegung, zwei Musikerinnen für Beats und Sounds. Sie mischen alle Tracks unterbrechungslos ineinander, was wohl so etwas wie Club-Atmosphäre erzeugen soll. Das tanzfreudige Publikum darf sich bei „Boyz“ auf der Bühne austoben und geht dabei leidenschaftlicher zu Werke als der Star selbst. Auch ihr Gesang, der die ganze Zeit durch einen nervigen Verzerrereffekt gejagt wird, kommt lustlos und unkonzentriert rüber. Nach einer knappen Stunde, die mit dem Hit „Paper Planes“ endet, ist das Spektakel vorbei und M.I.A. in der Pop-Diven-Liga eine Etage nach unten gefallen.

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