Konzertkritik : Green Day: Faxen, Punk, Arena-Rock

Pete-Townshend-Riffs, Who-uh-huhs und ein bisschen Bombast à la Queen: Warum bei Green Day in der O2-World am Ende alle zufrieden und geschafft waren. Haben Sie das Konzert erlebt? Dann schreiben Sie doch auf, wie Sie es fanden. Bitte nutzen Sie dazu die Kommentarfunktion unter dem Text.

H.P. Daniels
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Billie Joe Armstrong, Green Day.Foto: AFP

Ein rosa Hase in Menschengestalt taumelt über die Bühne, die Ramones dröhnen als Intro durch die O2-World: "Do You Remember Rock 'n' Roll Radio". Die Zeichen sind gesetzt für die nächsten zweieinhalb Stunden: Faxen, Punk, Lautstärke, Arena-Rock, Erinnerungen an die Zeiten von Radio und Rock 'n' Roll.

Green Day springen in den "Song Of The Century", hüpfen synchron vor der glitzernden Skyline einer Skyscraper-City, während die Fans synchron aus den Sitzen springen, hochgepeitscht von Pete-Townshend-Riffs und Who-uh-huhs. Explosionsknall, Feuersäulen, da ist der Titelsong vom neusten Album: "21st Century Breakdown".

"My generation is zero, I never made it as a working class hero", singt der zappelige Frontmann Billie Joe Armstrong und bezieht sich ein weiteres Mal auf Townshend und John Lennon.

Mike Dirnt und Tre Cool, seine musikalischen Kumpels seit zwanzig Jahren, machen dichten Rhythmus-Dampf mit Bass und Schlagzeug. Verstärkt wird das kalifornische Trio von einem weiteren Gitarristen, einem Keyboarder und Saxofonisten. Bombast à la Queen wird zitiert. "Heh-oh" macht Billie Joe, "Heh-oh" echot es tausendfach aus dem Saal.

Green Day, die vor 20 Jahren als Punkband im Stil der Buzzcocks und Ramones begonnen hatten und sich zu formidablen Mainstream-Stadion-Rockern entwickelt haben, erinnern an Iggy Pop, The Clash, aber vor allem an die scharfen Gitarrenriffs der Kinks. Und an die dynamische Bühnenpräsenz von Ray Davies, der schon vor vierzig Jahren mit "Heh-oh" zum Echo animiert hat. Wie Billie Joe Armstrong heute, mit großen, aber auch immer wieder selbstironisch übertriebenen Rockstar-Gesten.

Aus dem Effeff singen die Fans "Boulevard Of Broken Dreams" zur feierlichen Melodie: "I walk a lonely road". Heute feiern sie ein fröhliches Gemeinschaftsgefühl. Teenager und Alte, Kinder und ihre Eltern tanzen und singen mit Green Day, die unermüdlich sprinten, spurten, springen. Die das Auditorium mit einer Mega-Wasserpistole bespritzen, eingedoste T-Shirts in die Menge schießen und die Zirkusclowns geben. Sie holen Fans auf die Bühne, überlassen ihnen kurz die Instrumente. "Heh-oh-he-eh-eh-oh".

Während sich die Musiker am Boden wälzen, im Gedränge vor der Bühne eine strudelig wabernde Polonaise getanzt wird, singt Billie Joe eine feine Version von "Shout", dem alten Gassenhauer der Isley Brothers, in den noch "I'll Be There" der Jackson Five, Ben E. Kings "Stand By My" und "Satisfaction" der Stones hübsch verpackt sind.

Zur Zugabe "American Idiot", Titelsong von Green Days' Grammy-gekürtem, erfolgreichsten Album. Konfetti regnet auf glückliche Fans, und nach zwei weiteren Dreingaben von Billie Joe solo zur Akustikgitarre sind alle zufrieden und geschafft.

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