Konzertkritik : High Places: Erwartungsgemäß seltsam

Noch nicht optimal: Bei den High Places im Prater fehlt das szenische Spektakel.

Jörg W,er

Beim ersten Konzert im Prater, der temporären Ausweichspielstätte der Volksbühne, ist auf beiden Seiten noch ein gewisses Fremdeln zu verspüren: Das Publikum scheint nach dem idealen Standort in dem überraschend großen, über 100 Jahre alten Theatersaal zu suchen, in dem lange Bankreihen auf abgetrepptem Boden für gute Sichtverhältnisse sorgen. Für die Musiker fehlt die schützende Aura der plüschigen Volksbühne, die gerade für eine noch nicht im sicheren Hafen der Routine angekommene Band wie die High Places von Vorteil wäre.

Mary Pearson und Roy Barber werden mit der von einem tollen Debütalbum erzeugten Erwartungslast konfrontiert und erfüllen diese mit ihrem etwas fahrig wirkenden Auftritt nur zum Teil. Natürlich konnte man nicht hoffen, dass ein Low-Budget-Indie-Duo aus New York all die kleinen Klangspielzeuge mit auf Reisen nehmen würde, die den Sound ihres Debüts geprägt haben. So sieht man statt des erhofften Tableaus aus manipulierten Gitarren, umfunktionierten Haushaltsgeräten oder obskuren Rhythmusinstrumenten nur zwei Werkbänke mit den handelsüblichen Keyboard-/Sampler-Aufbauten, was den Unterhaltungswert des Auftritts einschränkt. Zwar beeindruckt Roy Barber mit der vehementen Beackerung seiner elektronischen Drumpads, aber dies allein kann mit dem szenischen Wahnsinn einer Band wie Animal Collective, den stilistisch nächsten Verwandten der High Places, nicht konkurrieren.

Schade, denn die Musik bleibt außergewöhnlich: Mary Pearsons Gesang ist ein betörendes Schweben, verhallt, verwischt, erratische Melodielinien skizzierend. Darunter ein dichtes synthetisches Klangeflecht, Steeldrum- und Marimba-Geklöppel, schräg getaktete Beats. Im Ergebnis erinnert es neben einer noch nervöseren Ausgabe von Animal Collective an autochthone Frühachtziger-Bands wie ESG oder Liquid Liquid, die seinerzeit natürlich auch aus New York kamen. Mit der Zugabe „Universe“, einem bedrohlichen Heuschreckenschwarm-Techno, verabschieden sich die High Places nach nur 45 Minuten. Der Applaus ist herzlich, aber Begeisterung klingt anders. Die löste zuvor, zumindest für zwei, drei Stücke, Cortney Tidwell aus. Die aus Nashville stammende Tochter einer Countrysängerin berührt mit spartanischem Songwriter-Folk und beachtlicher Koordinationsleistung: Mit der rechten Hand beackert sie ein Schlagzeug, mit der Linken ein Miniatur-Keyboard, dazu singt sie mit langgezogenen Vokalen, was ein bisschen an Björk erinnert. Echte Wertarbeit scheint immer noch am besten anzukommen: Obwohl nur Support-Act, bleibt ihr der kräftigste Jubel des Abends vorbehalten.

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