Konzertkritik : Jools Holland And Friends in Huxley's Neuer Welt

Jools Holland trat im Huxley's mal nicht mit seiner Big Band auf, sondern lediglich in einer Trio-Formation. Aber auch zu dritt machen sie eine Menge Dampf und Druck.

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Jools Holland
Jools HollandFoto: Promo

Gediegen und gesetzt wirkt alles im bestuhlten Saal von Huxley's Neuer Welt. Wie bei einem soliden Big-Band-Konzert. Ein förmlicher Conferencier macht die Honneurs: "Ladies an gentlemen, would you welcome to the stage please: Mister Joooooools Holland…"

Der kleine Engländer im dunklen Anzug verneigt sich tief, kommt dann allerdings doch nicht mit seiner Big Band, dem zwanzigköpfigen "Rhythm and Blues Orchestra" mit den vielen Bläsern, Gitarre und Orgel, sondern lediglich in sparsamer Trio-Formation. Aber auch zu dritt machen sie eine Menge Dampf und Druck.

Holland hämmert heftigen Boogie in den schwarzen Konzertflügel, grob getrieben und fein verziert von Dave Swifts bundloser akustischer Bassgitarre und dem hörens- wie sehenswerten Schlagzeugspiel von Gilson Lavis, der immer wieder elegant die Stöcke durch die Finger dreht, bevor er sie präzise verzögert auf die Becken niederzischen lässt.

"I'm a stranger here and I just moved into your town" singt Holland mit kräftigem R&B-Organ und interpretiert dabei Elmore James' alten "Stranger Blues" rasant swingend wie eine treffliche Mischung aus den stilistischen Eigenarten von Ray Charles und Mose Allison.

Zwei Damen kreuzen auf, schwingen rhythmische Tamburine und erinnern mit ihren harmonischen Backgroundstimmen stellenweise an den feinen Gesang der Andrew Sisters. Holland macht sich den virtuosen Spaß, ein bisschen klaren, wohltemperierten Bach plätschern zu lassen zwischen all dem schmutzigen Rhythm and Blues und Muddy Waters' "Got My Mojo Working".

Jools Holland, der seit 1992 als Gastgeber der brillanten britischen Fernsehshow "Later… with Jools Holland" auf BBC2 die besten bekannten und noch unbekannten Musiker und Bands präsentiert und vorstellt, hat gerade sein neuestes Album "Jools Holland and Friends" veröffentlicht. Einige der "Friends" stellt er nun auch im Konzert vor: Die österreichische Sängerin Valerie segelt mit dem Lied "Wohin die Liebe fällt" hart am windigen Schlagerfach. Bei ihrer Interpretation von Édith Piafs "La Vie En Rose", die dem alten Chanson nichts Neues abgewinnen kann, klingt der Ausdruck mehr nach Gesangsausbildung als nach Herzensbildung.

Umso mehr strahlt als nächster Gast der Engländer Marc Almond mit Charme und Witz, und jazzelt und scatted sehr lässig zum Song "Bruises", dem Holland mit seinem Arrangement und Pianospiel erneut eine exquisite Mose-Allison-Behandlung verpasst. Auch "Say Hello Say Goodbye" und "Tainted Love", Songs von Almonds früherer Band Soft Cell, klingen toll in neuen Swing-Bearbeitungen.

Bei der Ankündigung des nächsten Gastsängers überschlägt sich Holland fast: "He's an amazing artist … the tremendous … Herbert Grönemeyer!" Da ist es vorbei mit der bestuhlten Gesetztheit des Abends, als die Fans aus den Reihen tanzen und vor die Bühne stürmen. Vielleicht ein kluger Schachzug Hollands, Grönemeyer ins Programm zu nehmen, hat man doch den Eindruck, mindestens die Hälfte des Publikums sei nur wegen ihm gekommen. Und entsprechend gefeiert werden dann auch seine Version des schönen Randy-Newman-Songs "Marie", die Ballade "Just To Be Home With You" und schließlich im Reggae-Groove Grönemeyers eigenes Lied "Mensch", stakkatoartig gebellt und eckig getanzt, wie es seine Art ist, und wie seine Fans ihn lieben. "Wunderbar mit dieser Band zu spielen! Irre!" stakkatiert Herbert, und man bangt etwas um Hollands nächsten Gast. Wer sollte nach all dem Herbert-Jubel jetzt noch folgen können?

Doch die schwarze britische Soulsängerin Ruby Turner kann das mühelos. Eine wuchtige Frau mit noch wuchtigerer Stimme singt Boogie Woogie, Soul, Reggae und eine umwerfende Version von Van Morrisons Ballade "Crazy Love". Zur Zugabe und zur Freude aller kommt Grönemeyer noch mal auf die Bühne, tanzt noch mal zackig und singt mit Jools Holland und Ruby Turner den alten R&B-Klassiker "Alright, Okay, You Win". Zwei unterhaltsame Stunden.

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