Konzertkritik : Kevin Costner & Modern West im Tempodrom

Kevin Costner weiß natürlich, dass möglicherweise niemand in seinem Konzert wäre, hätte er nicht 1990 mit dem Wolf getanzt. Mit solidem, hymnischen Mainstream-Rock bringt er den Saal zum Tanzen, Singen und Rocken - und macht das erstaunlich gut.

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An diesem Abend wirkt das bestuhlte Tempodrom eher wie ein Lichtspielhaus, die Besucher sehen mehr nach Kinopublikum aus als nach Rockfans. Auf der Leinwand flackert dann tatsächlich ein Film, unzählige kleine Film-Schnipsel: Immer wieder Kevin Costner. Als Wyatt Earp, als Actionheld, als Sportskanone, als Romantiker, als Liebhaber. Und natürlich: als der, "Der mit dem Wolf tanzt". Spitze Frauenschreie aus dem Auditorium. Und Spot auf die gegenüberliegende Treppe, wo Costner jetzt leibhaftig zu emotionsgeladener Hollywoodmusik langsam durch die Menge schreitet, winkt und Hände schüttelt, sich von verzückten Frauen umarmen lässt, während andere ihre Kameras zücken und dem Star entgegenblitzen.

Dankbar sei er seinen treuen Fans, dass sie all die Jahre ins Kino gegangen seien, um ihn zu sehen, sagt er, als er es endlich auf die Bühne geschafft hat. Doch heute sei das hier kein Kino, sondern Rock 'n' Roll. Ob die Leute denn wirklich gekommen seien, um Rock 'n' Roll zu hören? Er lacht, denn natürlich weiß er, dass möglicherweise niemand in seinem Konzert wäre, hätte er nicht 1990 mit dem Wolf getanzt.

Jetzt tanzt er in weißem Hemd, schwarzer Weste, ausgewaschenen Jeans und lässigem Schal mit dem Rock 'n' Roll und seiner Band Modern West in einer Wand aus vier Gitarren und Geige, mit knalligem Bass und Schlagzeug dahinter. Er winkt in den Saal, breitet die Arme aus, schraddelt auf einer Akustikgitarre und singt mit angenehm rauchiger Stimme von Flüssen und Highways, von Autos, Träumen, Helden, Kindheitserinnerungen, Hoffnungen, Enttäuschungen, und natürlich immer auch von der Liebe.

Musikalisch beackert er wurzeliges John Mellenkamp/John Hiatt/Bruce Springsteen-Land. Wobei die Songs der beiden Alben Untold Truths und Turn It On, die hauptsächlich vom alten Bandkollegen und Gitarristen John Coinman, teilweise auch gemeinsam mit Costner geschrieben wurden, weniger mit Country-Musik zu tun haben als kurioserweise immer wieder behauptet wird. Es ist solider, hymnischer Mainstream-Rock, mit dem Costner und seine kompetente Band schließlich den überwiegend mit Filmfans gefüllten Saal zum Tanzen, Singen und Rocken bringen. Er macht das erstaunlich gut.

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