Konzertkritik : Lenka: Dontsleepinthesubwaydowntown

Ist sie eine Schauspielerin, die die mit großer Begabung eine niedliche Popsängerin spielt? Nein, dazu ist die Musik von Lenka dann doch zu gut. Im ziemlich leeren Postbahnhof konnte man sich davon überzeugen.

H.P. Daniels

Da ist der kleine Saal des Postbahnhofs schon durch einen Vorhang stark verkleinert und trotzdem wirkt er ziemlich leer an diesem Abend. Verwunderlich ist das schon, zumal die aus Australien stammende, in Kalifornien lebende Lenka immer wieder als große neue Entdeckung gepriesen wird, und ihr Hit "The Show" im Radio rauf und runter gespielt wird. Ein hübscher Popsong mit einfacher Melodie, luftig und nett - so nett, dass er in den USA inzwischen auch massiv als Werbesong eingesetzt wird. Und wie ice in the sunshine schmelzen alle dahin von so viel jungmädchenhafter Fröhlichkeit.

Auf Fröhlichkeit muss man im Postbahnhof allerdings noch warten. Denn da kommt erstmal ein dünner, trauriger Junge aus Wien und verbreitet schwere Düsternis à la Elliott Smith. Vielleicht ist das Vorprogramm ja auch nur ein geschickter Trick: um das Verlangen zu steigern nach heiterer Schwerelosigkeit, zu der sich's ausgelassen singen und tanzen lässt – Verlangen nach Lenka.

Wenn Lenka Sorgen besingt mit "Trouble is a friend", tut sie das mit reizend kieksendem "oh oh", einem charmanten Lächeln und einer betörend eingängigen Pop-Melodie. Im kurzen himmelblauen Kleidchen, mit langen rotbraunen Haaren, High Heels und einem Umhängekeyboard wie ein Bauchladen wirkt die dreißigjährige Lenka wie ein Zigarettenmädchen in einem glitzernden Tanzpalast der 50er Jahre. Strahlend und entzückend. Wer würde ihr da nicht auf der Stelle auch gleich ein paar Songs abkaufen?

Begleitet wird sie von einer modisch verzottelten Band. Ein Typ mit imposanter Afromähne lässt in der Rechten ein Flügelhorn blitzen, während er mit der Linken in ein bügelbrettartiges Keyboard tastet. Ein anderer plättet und glättet mit einer Les Paul, während hinten ein Bassist zu bewegten Tönen tänzelt und eine junge Schlagzeugerin mächtig in die Trommeln semmelt.

Lenka singt ihre Songs vom bislang einzigen Album und auch schon eine kleine Kostprobe vom geplanten nächsten. Bei jedem Lied fragt man sich, wo die Ideen dazu hergekommen sein könnten, wo die Inspirationen liegen? Mal denkt man an Motown, an die Supremes. Dann an Rickie Lee Jones, wenn die Stimme zwischendrin etwas quetschiger klingt. Oder Petula Clark, wenn Lenka etwas Dontsleepinthesubwaydowntownhaftes erahnen lässt. Oder das hauchzarte Wispern einer Heather Nova. Und war da nicht eine Melodie von Chrissie Hynde? All das klingt an, dringt dann aber doch nicht richtig durch.

Lustig trötet Lenka in ein Kazoo: Bläserimitation. Später spielt sie tatsächlich eine echte Trompete, und sie macht es gut. Ihr Vater war Jazztrompeter als Lenka noch die Fernsehserien-Schauspielerin Lenka Kripac war und von Musik noch nichts wissen wollte. Vielleicht ist es unfair zu behaupten, Lenka wirke heute wie eine Schauspielerin, die mit großer Begabung eine niedliche Popsängerin spielt. Nein, dazu ist sie als Musikerin dann doch zu gut. Wobei es ihr allerdings noch an Ausdruck, Tiefe und Emotionalität mangelt. Witzig ist Lenka auf jeden Fall. Wenn sie etwa ihre entzückten Fans animiert, sie mögen doch bitte am Ende ihres Hits "The Show" wie ein wütend besoffener Chor singen: "I want my money back". Alle singen lauthals und ausgelassen. Aber niemand will sein Geld zurück, als es nach einer Stunde schon vorbei ist. Da gibt es nichts zu bereuen.

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