Konzertkritik : Limp Bizkit: Zucken im Lärm

Prima mit dem Kopf bängen: Limp Bizkit in der Columbiahalle.

H.P. Daniels
282990_3_durst.jpg
Fred Durst, Limp Bizkit.Foto: ddp

Ganz so "nu" ist "Nu Metal" inzwischen auch nicht mehr. Limp Bizkit aus Florida spielen diese Heavy-Metal-HipHop-Kombi seit fünfzehn Jahren, und wurden schon 1999 mit ihrem zweiten Album "Significant Other" und dem Hit "Nookie" zu Superstars. In der ausverkauften Columbiahalle fällt zum trötigen Witschel-Intro der schwarze Vorhang von oben herunter, gibt den Blick frei auf Geflacker und Gewusel, während sich unten im Saal hunderte von Armen recken mit abgespreizten Fingern und Fotohandys.

Wie ein donnerndes Erdbeben rollt und grollt der Bass dräuend durch den Saal, schiebt gewaltig komprimierte Luft vor sich her, die einem in den Magen drückt. Hinter der Bühne sieht man die Köpfe der Band als überlebensgroße Comiczeichnungen und davor wirkt das wahre Leben auch wie ein Comic. Alle rucken und zucken rhythmisch zu infernalischem Lärm.

Der DJ hinterm Tresen mit schwarz-rot-goldenem Behang, Bassist Sam Rivers mit Reihen grün glimmender Lichtlein auf dem Griffbrett, John Otto hinterm Schlagzeug abgetaucht, und Gitarrist Wes Borland mit Maske vorm Gesicht, die ihn aussehen lässt wie einen zappelnden Pappkameraden aus der Geisterbahn. Vorneweg, links und rechts, in der Mitte, immer unterwegs, tanzt Fred Durst unter roter Mütze einen lustig zappeligen Rapper-Tanz und schreit rhythmisch "My Generation" - nein, nicht den Song von Pete Townshend  - das ist etwas anderes, eine jüngere Generation, eine andere Party, andere Musik. "Break Stuff" und "Hot Dog".

Der DJ witschert und fitschert an den Apparaturen, Borland spielt lahmes Geplingel, die Gitarrenriffs klingen dürr und matt. Zwischen den Stücken entstehen Kunstpausen, in denen der weitere Verlauf programmiert wird. Digitales aus der Konserve, musikalisch eher unbedeutend. Aber egal, denn zu diesem Sound lässt sich's wirklich prima mit dem Kopf bängen und fröhlich in die Luft springen.

Dann doch noch was von Townshend: Die Ballade "Behind Blue Eyes", die Durst gesanglich nur andeutet, dann der ganze Saal voller Inbrunst singt. Auch die härtesten Metallarbeiter schätzen eine schöne Melodie, die einzige des Abends. Wenn auch der Who-Song - für Limp Bizkit ein großer Hit in Deutschland - neben Guns 'N' Roses' schamlosem Zerwursteln von Dylans "Knockin' On Heaven's Door" zu den grässlichsten Coverversionen aller Zeiten gezählt werden könnte. Doch darauf kommt es jetzt wirklich nicht an. "Fuck that shit", wir tanzen, haben unseren Spaß und sind am Ende völlig ausgelaugt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben