Konzertkritik : Mariha: Sanfter Singer-Songwriter-Pop

Auf der Bühne braucht man Charisma. Stimme natürlich auch, wenn man als Sängerin überzeugen will. Eingängige Songs machen das Paket perfekt. Die 27-Jährige Hamburgerin Mariha hat all das mitgebracht für ihren Auftritt im Privatclub in Kreuzberg. Dazu ein neues Album, neue Band, neue Frisur.

Saskia Weneit
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Mariha.Foto: promo

Mariha ist keine Newcomerin, auch wenn MTV sie kürzlich mit ihrer frischen Single "Heart keeps beating" zum Neuling der Woche gemacht hat. Ihr Liedgut auf der neuen Platte "Another Lover" ist leise und kraftvoll, sanfte Gitarren, klare Stimme. Das Debütalbum der 27-Jährigen - "Elementary Seeking" - kam vor drei Jahren, die Single "Absolutely Entertaining" wurde der Titelsong zu Til Schweigers Film "Barfuß". Das wunderbar sanfte "It hurts" schaffte es damals in die Playlisten der Radiostationen. Mit ihrer Band spielte sie im Vorprogramm von A-HA. Dann wurde es still um Mariha, die eigentlich Eva Maria Meyer heißt.

Mit ihrer unglaublich zierlichen Erscheinung steht sie nun wieder auf der Bühne und nach einem verhaltenen Anfang hat sie das Publikum in der Tasche. Die Hamburgerin wirkt nervös - aber nicht verloren. Manchmal sieht es so aus, als wüsste sie nicht wohin mit sich. Vielleicht fehlt ihr die Gitarre, die sie bei Auftritten zu Debützeiten stets bei sich trug. Doch im nächsten Moment ist sie wieder ganz in ihrem Song, tanzt, springt, genießt. Mariha - weißes ärmelloses Shirt, Röhrenjeans - hat die Figur und Größe einer Zwölfjährigen. So richtig fassen kann man sie nicht, mit dieser Mischung aus Kleinmädchen-Charme und kreativer Singer-Songwriter-Attitüde. Muss man aber auch nicht, sie kriegt einen trotzdem - oder gerade deswegen.

Ihre Songs klingen weich, ein bisschen Folk, ein bisschen Bossanova, ein bisschen Pop. Schöner Singer-Songwriter-Pop, der einen durch den kommenden Sommer begleiten sollte. Es gibt ihren Texten etwas lautmalerisches, wie sie mit der Sprache spielt. Sie singt vom Zwischenmenschlichen, schreibt alles selbst. "Irgendwann setzt es dann ein, dieses starke, pochende Gefühl. Diese Lust zu musizieren, einen Akkord zu spielen. Worte und Akkorde ergeben dann ein Wechselspiel", sagt sie. Hört man.

Ihre Inspiration holt sich die junge Mutter eines Sohnes aus ihrem Alltag im Hamburger Schanzenviertel. Seit ihrem siebten Lebensjahr lebt sie in der Hafenstadt, liebt den Kontrast zwischen Glamour und Gosse. Bevor sie die Gitarre und das Komponieren für sich entdeckte, stand sie als Schauspielerin auf Hamburger Bühnen. Die Liebe zur Musik grätschte dazwischen, mühevoll brachte sie sich das Gitarrespielen selbst bei. So ist es auch ihr persönlicher Höhepunkt bei ihrem Auftritt im Privatclub, als sie endlich mit dem Instrument auf der Bühne sitzen darf - beim letzten Song.

Mariha wirkt poppiger im Vergleich zu ihrem Debütalbum. Früher bei Universal, ist sie inzwischen bei Columbia Berlin unter Vertrag. Weg sind die kurzen Haare und der Schlabberlook, ein bisschen mehr Hochglanz ist eingekehrt. Auch wenn sie gefälliger erscheint - ihre Musik packt einen. Es ist wie bei ihrem Auftritt: Zuerst verhalten, doch dann werden die Kraft und Kreativität sichtbar, die in ihrer Musik stecken.

Marihas neues Album "Another Lover" erscheint am 27. Juni, die Single "Heart keeps Beating" ist ab dem 15. Mai zu bekommen.

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