Konzertkritik : Mark Selby im Quasimodo

Vor neun Jahren hörte man das erste Mal von diesem Burschen: Mark Selby. Der Gitarrist und Sänger aus Oklahoma, der inzwischen nach Nashville gezogen war, beeindruckte damals mit einem soliden Debüt-Album "More Storms Coming". Nun spielte er im Quasimodo.

H.P. Daniels

BerlinVielleicht kamen von ihm dann nicht gerade weitere Stürme, aber doch ein paar ganz ordentliche Platten. Auch für andere hat er Songs geschrieben, unter anderen den Nummer-Eins-Hit der Dixie Chicks: "There's Your Trouble".

Hierzulande allerdings ist Selby immer noch ziemlich unbekannt, während Joe Bonamassa, ein stilistisch vergleichbarer Konkurrent in Sachen "Blues-Rock", seinen Popularitätsvorsprung in Europa gewaltig ausbauen konnte. Bonamassa spielt in der ausverkauften Londoner Royal Albert Hall. Selby spielt im Berliner Quasimodo, wo sich eine halbwegs passable Anzahl Fans einfindet: überwiegend ältere, grauhaarige Männer. Der Blues eben.

Selby, ein großer, schlanker Mittvierziger in Jeans und Sweatshirt und mit einem narbigen Gesicht, kommt alleine auf die Bühne, hängt sich ein Mundharmonikagestell um und eine rote Danelectro-Gitarre. Mit dem Bottleneck schabt er über die Saiten, lässt sie kreischen - rollend und taumelnd im Blues à la Elmore James. Er lässt die Harmonika heulen und singt "Crash On The Levee" von Bob Dylan.

Da schlurft auch schon der Rest der Band heran: ein Bassist mit Fünfsaiter und ein zickenbärtiger Drummer, der gleich mächtig klappert und rattert. Selbys Gitarre schaffelt sich rein in einen schweren Groove und weckt Erinnerungen an Rory Gallagher. Ein langsamer Blues in Moll und plötzlich swingt's wieder. Überhaupt werden viele Erinnerungen wach an alte Zeiten und alte Helden. Bo Diddley mit seinem speziellen Beat. Paul Kossoff mit seinen schweren Riffs. Die knallige Rhythmusgitarre von Keith Richards. Selby wechselt zu einer abgeschabten Stratocaster, spielt heftig elektrifiziertes Fingerpicking, reißt die Linke Hand vom Griffbrett als hätte er einen Stromschlag bekommen, wedelt hektisch mit der Hand, haut von hinten gegen den Gitarrenhals. Kleine Manierismen. Effekte. Ein paar Tricks aus dem Standard-Zauberkasten für Hendrix-Schüler.

Auf die Dauer wird es dann doch etwas ermüdend. Selby mag ein guter Gitarrist sein und vielleicht auch ein passabler Sänger, aber im Konzert reicht er nicht ran an die Vorbilder. Nicht an Free oder Bad Company, nicht an Taste oder Led Zeppelin. Es plätschert so dahin mit all diesem schluderigen Gefriemel und Gefraddel. Da ist kein Ausdruck, kein eigener Charakter. Es kommt nichts rüber, kein Feuer, keine Leidenschaft. Berührt nicht in der Seele, nicht im Herzen. Außer die eingefleischten Fans, die heftig rhythmisch mit den Köpfen nicken und sich amüsieren wie Bolle.

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