Konzertkritik : Max Herre rappt nicht mehr

In zwei Wochen veröffentlicht Max Herre sein neues Album. Im Mitte-Club Tausend konnten Insider bei drei Konzerten hören, wie der Freundeskreis-Frontmann jetzt klingt.

Juliane Primus
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Max Herre. -Foto: Promo

"Ich will mal ein paar neue Songs ausprobieren." Mit diesen Worten meldete sich Max Herre gestern Abend vor öffentlichen Ohren zurück - fünf Jahre nach dem Erscheinen seiner ersten Solo-Platte, zwei Wochen vor der Veröffentlichung seines neuen Albums "Ein geschenkter Tag". An insgesamt drei Abenden trat der als Freundeskreis-Frontmann bekannt gewordene Herre im Mitte-Club Tausend auf.

Der Weg zum "Public Rehearsal" im Club unter den S-Bahngleisen am Schiffbauerdamm führte ausschließlich über die Gästeliste, die Hipster geben sich die Klinke in die Hand. Keine Baggy-Jeans weit und breit, weiße T-Shirts in Übergröße sucht man vergebens - und wer bei Max Herre an Hip-Hop-Musik gedacht hat, wird eines besseren belehrt: Der 36-Jährige rappt an diesem Abend (fast) nicht und fühlt sich sichtlich wohl dabei. Mit Gitarre in der Hand und Drei-Mann-Band im Rücken schmettert er den Gute-Laune-Song "Alles Da" ins Mikrofon. Der Mann singt den Chartstürmer "Anna" im poppigen Soundkostüm so überzeugend, mit jeder Menge Soul in der Stimme, dass man die "Esperanto"- und Kolchose-Zeiten fast vergisst. Hier klingen Rio Reiser und Udo Lindenberg durch.

Auch der Inhalt der neuen Texte ist ein anderer: Keine politische Botschaft oder den Beginn einer Liebe besingt der gebürtige Stuttgarter in dem ruhigen Lied "Staub". "Ich hab gesehen, was man verlieren kann" heißt es in "Weg von Hier". Unüberhörbar verarbeitet er darin die Trennung von der Sängerin Joy Denalane, Ehefrau und Mutter seiner Kinder. Dass er das eigentlich nicht zum Thema machen möchte, stellt Herre mit "Er-Sagt-Sie-Sagt" klar. Der Song handelt von fremden Abgründen, langen Hälsen und großen Augen - nicht nur von Paparazzi genervte Popstars werden sich verstanden fühlen. Diese Töne sind radiotauglich.

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